CDU-Ratsfraktion lehnt Antrag der Opposition auf Verkehrsberuhigung ab

Streit um Tempo 30 in Gerdau

Auf dem Groß Süstedter Weg am Ortseingang von Gerdau wird oft zu schnell gefahren. Daher wurde jetzt im Gemeinderat die Einführung von Tempo 30 beantragt. Die CDU lehnte das mit ihrer Stimmenmehrheit ab.
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Auf dem Groß Süstedter Weg am Ortseingang von Gerdau wird oft zu schnell gefahren. Daher wurde jetzt im Gemeinderat die Einführung von Tempo 30 beantragt. Die CDU lehnte das mit ihrer Stimmenmehrheit ab.

Gerdau – Es ist zwar nur eine schmale Straße, doch auf ihr wird oft zu schnell gefahren. Landwirtschaftlicher Verkehr ist dort ebenso unterwegs wie Busse. Außerdem münden an dieser Stelle zwei Straßen vom angrenzenden Baugebiet Hofkoppel ein.

Die Rede ist vom Groß Süstedter Weg am Ortseingang von Gerdau. Dieser sollte nach Ansicht der Anwohner unbedingt verkehrsberuhigt werden – entweder durch eine 30er-Zone oder Bodenschwellen auf der Fahrbahn.

Doch der Gerdauer Gemeinderat hat jetzt zwei Anträge der Opposition auf Einführung von Tempo 30 abgelehnt. Die sieben CDU-Abgeordneten stimmten geschlossen dagegen, die Ratsherren Wolfgang Hahnemann, Werner Meumann (beide SPD), Hermann Meyer (FWG) und Niels Tümmler (Grüne) dafür.

Vorausgegangen war eine emotionale Diskussion in der Ratssitzung, an der sich auch einige der rund 30 Zuhörer beteiligten. Dabei beantragte Hahnemann eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Groß Süstedter Weg im Bereich der Ortseinfahrt. Er erinnerte daran, dass dort im April ein elfjähriger Junge von einem Auto erfasst und schwer verletzt wurde (AZ berichtete). „Wenn hier schon ein Kind zu Schaden gekommen ist, müssen wir handeln“, betonte Hahnemann.

Der Unfall, so tragisch er auch gewesen sei, habe sich aber nicht wegen überhöhter Geschwindigkeit ereignet, erwiderte Elvira Hentschke (CDU). Trotzdem sei die Einführung von Tempo 30 dringend erforderlich, und zwar nicht nur auf dem Groß Süstedter Weg, sondern in weiten Teilen des Ortes, meinte Niels Tümmler und stellte einen entsprechenden Antrag. „Rücksichtnahme in der Corona-Zeit wird großgeschrieben. Warum nicht auch im Straßenverkehr?“, fragte der Grünen-Politiker. Er ist überzeugt: „Mit Tempo 30 kann man die Sicherheit erhöhen.“

Der Landkreis habe dazu aber Bedenken, berichtete Bürgermeister Stefan Kleuker (CDU). Rein rechtlich dürfe Tempo 30 nur auf Straßen angeordnet werden, auf denen Durchgangsverkehr mit geringer Bedeutung herrsche. Zudem würden Bodenschwellen die Fahrt der Busse erschweren und Lärmbelastungen für die Anwohner verursachen, warnte Kleuker.

Anstatt Tempo-30-Schilder aufzustellen, sollte lieber an den gesunden Menschenverstand appelliert werden, langsamer zu fahren, meinte der Bürgermeister. Er befürchtet auch, dass zu viele Tempo-30-Zonen zu einem Gewöhnungseffekt bei den Autofahrern führen könnten. Dann würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor der Gerdauer Kita, die sich die Gemeinde wünscht, möglicherweise gar nicht auffallen.

„Es wäre sehr schade, wenn wir gar nichts machen würden“, sagte Hermann Meyer. „Wir sollten mit irgendeiner Maßnahme mal anfangen. Dann können wir immer noch nachjustieren.“ Doch letztlich setzte sich die CDU-Fraktion mit ihrem Nein zu Tempo 30 durch. Die meisten Zuhörer verließen daraufhin enttäuscht die Sitzung. Eine Frau brachte die Meinung vieler Anwohner auf den Punkt: „Allein die Tatsache, dass man Tempo-30-Schilder aufstellt, wird einen Effekt haben.“ Jeder Raser weniger sei ein Gewinn für die Bürger.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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