Die Straße des Anstoßes

Hinter der Scheune gleich links: Die Straße In der Worth, die über das Grundstück von Landwirt Stefan Kleuker führt, soll auf Wunsch des Landwirts entwidmet werden. Doch das erregt die Gemüter der Anwohner.

Gerdau - Von Jörn Nolting. Es ist ein gerade mal knapp 120 Meter langer Kopfsteinpflasterweg, der die Gemüter in Gerdau zum Kochen bringt. Schon vor drei Jahren stellte Landwirt Stefan Kleuker, über dessen Hof die Straße verläuft, den Antrag, dieses Teilstück zu entwidmen. Nun stellt er erneut den Antrag.

Es geht um die Straße In der Worth. Sie führt direkt über den Hof von Stefan Kleuker. Doch der Landwirt betreibt nicht nur seinen Hof, sondern ist auch CDU-Ratsmitglied im Gemeinde- und Samtgemeinderat. Vor drei Jahren wurde sein Antrag kurzfristig auf die Tagesordnung des Gerdauer Bauausschusses aufgenommen, was besonders einigen Anwohnern sauer aufstieß. Schnell wurde auch Bürgermeister Otto Schröder (CDU) Klüngelei unterstellt.

Aus diesem Grund beantragt Stefan Kleuker nun ein ganz neues Verfahren. Der Bauausschuss der Gemeinde hatte nun darüber abzustimmen. Mit drei zu zwei Stimmen wurde der Antrag dem Gemeinderat zur Zustimmung empfohlen.

Persönliche Gespräche, Mediatoren und Rechtsberatung – Stefan Kleuker hatte bereits im Vorfeld versucht, den Anwohnern seinen Standpunkt darzustellen. In erster Linie geht es ihm um die Straßenverkehrsordnung. Der Gerdauer bewirtschaftet zwei Kartoffelscheunen und muss mit seinem Gabelstapler dabei regelmäßig die Straße überqueren. „Dort gilt dann für mich auf meinem Grundstück die Straßenverkehrsordnung“, schildert Kleuker. Ein Zustand der sich durch die Entwidmung ändern soll. Den Anwohnern wird ein Wegerecht ausgestellt. Sie können weiterhin die Straße nutzen oder könnten einfach von der anderen Seite an ihre Häuser gelangen, denn die Straße In der Worth verläuft im Kreis. Doch nicht alle stehen dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. Die Anwohner machen ihrem Ärger während der Bauausschussitzung Luft. Allen voran Werner Bollhorn, den die Anwohner als ihren Sprecher bestimmt haben: „Menschen, die mich besuchen wollen, können nicht die Straße nutzen.“ Und auch die Frage, ob denn Fußgänger und Kindergartenkinder die Straße nutzen können, wurde gestellt. Ebenso wie die Frage nach Müllabfuhr und Rettungswagen. Bürgermeister Otto Schröder versprach, dass möglichst alle Wünsche im Wegerecht berücksichtigt werden sollen. „Wegerecht ist ein dehnbarer Begriff“, so der Konter einer Anwohnerin. „Ich will kein Tor und auch keine Schranke aufstellen“, verspricht Kleuker. Er will nur auf seinem Privatgrundstück Vorfahrt haben beim Rangieren der großen landwirtschaftlichen Maschinen. Doch die Straße In der Worth ist in Gerdau längst zum Politikum geworden. Wolfgang Hahnemann (SPD) verlas einen 13 Fragen umfassenden Fragenkatalog und Helmut Vollmer (Grüne) fordert „eine Vereinbarung, mit der alle leben können.“ Doch da im Vorfeld keine Einigung zwischen Anwohnern und Antragsteller erzielt werden konnte, muss nun der Gemeinderat die Entscheidung treffen.

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