Angelina Hartmann aus Suderburg hat das Grab ihres im Krieg gefallenen Urgroßvaters aufgespürt

Er starb nach einem Feuerüberfall

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Die 16-jährige Angelina Hartmann aus Suderburg hat das Schicksal ihres Uropas, des Salzwedelers Walter Schnerk, erforscht.

Suderburg/Salzwedel. „Wie war das eigentlich mit Ur-opa?“, fragte die 16-jährige Angelina Hartmann aus Suderburg ihren Großvater, Jürgen Schnerk, als sie ihn in Salzwedel besuchte. „Vater ist in Russland geblieben“, sagte Jürgen Schnerk.

Es ist ein Satz, der Millionen Kinder der Nachkriegsgeneration geprägt hat.

Walter Schnerk.

Doch das Interesse von Angelina Hartmann war geweckt. Sie wollte mehr wissen. Ihr Opa holte die wenigen Erinnerungen hervor. Von Walter Schnerk, der am 1. November 1907 in Salzwedel geboren wurde und am 18. Januar 1944 auf dem Hauptverbandsplatz von Stanislawowo (Weißrussland) seinen schweren Verwundungen erlag, gibt es nur noch wenige Erinnerungen. Neben einem einzigen Foto, das den Gefreiten in Wehrmachtsuniform zeigt, existieren noch zwei weitere Bilder von seinem Grab. Diese hat Divisionspfarrer Schön von der 132. Infanterie-Division, zu der Schnerks Einheit damals gehörte, der Familie in Salzwedel mit einem Feldpostbrief vom 19. Juni 1944 zugeschickt.

Schon viel früher, am 18. Januar 1944, hatte der Chef der 12. Kompanie des Grenadierregiments 437, in der Walter Schnerk gekämpft hatte, an die Ehefrau, Gertrud Schnerk, geschrieben. Der Oberleutnant schildert darin einen feindlichen Feuerüberfall in der Nähe von Sagatje, bei dem MG-Schütze Walter Schnerk durch einen Splitter am rechten Bein verwundet wurde. Obwohl er von seinen Kameraden sofort zum Hauptverbandsplatz nach Stanislawowo gebracht wurde, starb er an seiner schweren Verwundung und wurde dort am nächsten Tag auf dem sogenannten Heldenfriedhof beigesetzt.

Das Grab der Familie Schnerk auf dem Salzwedeler Friedhof: In zwei Weltkriegen haben sie vier Söhne verloren.

Es gab zwar nur wenige Unterlagen, aber viele gute Recherche-Ansätze für Urenkelin Angelina Hartmann, um mehr über das Schicksal ihres Uropas zu erfahren. Am 18. November vergangenen Jahres schrieb Angelina Hartmann an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Und sie bekam eine überraschende Nachricht: „Unser Umbettungsdienst konnte aus Stanislawowa/Witebsk, dem Bestattungsort Ihres Urgroßvaters, im vergangenen Jahr 139 deutsche Gefallene bergen und zur Kriegsgräberstätte Berjosa umbetten.“ Und weiter heißt es in dem Schreiben des Volksbundes: „Um das Schicksal Ihres Angehörigen vor dem Vergessen zu bewahren, haben wir seine persönlichen Daten in das Gedenknamenbuch Berjosa aufgenommen.“

Und die junge Suderburgerin erfuhr noch mehr während ihrer Recherchen: So konnte sie durch die Angaben der Deutschen Dienststelle (Wehrmachtauskunftstelle) in Berlin herausfinden, dass ihr Urgroßvater mit dem Stab des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 93 in den Zweiten Weltkrieg gezogen war. Und dessen Kasernen lagen an der gleichen Straße, an der die Schnerks damals in Salzwedel wohnten – der Egerländer Straße, dem heutigen Böddenstedter Weg.

Von Holger Benecke

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