„Gute“ Saison mit frühem Erntebeginn / Kampf um Erntehelfer aus Osteuropa

Spargelbauern ziehen positives Fazit

+
Nach der Spargelernte ist vor der Spargelernte: Die Spargelpflanzen wachsen weiter, so auch bei Landwirt Hinrich Niemann in Wichtenbeck.

Eimke/Lüder – Die Spargelsaison ist beendet. Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen werden in Niedersachsen 27 500 Tonnen Spargel auf etwa 5900 Hektar angebaut. Die AZ sprach mit zwei Spargelbauern aus der Region und befragte sie zu ihrem Fazit.

Hinrich Niemann aus Wichtenbeck (Eimke) gab der vergangenen Spargelsaison die Schulnote zwei.

„Es war eine gute Qualität. So einen frühen Erntebeginn im März hatten wir noch nie“, sagte der Spargelbauer. Grund dafür sei auch die Spargelsorte Prius aus den Niederlanden, die er neuerdings anbaue. Oliver Brink aus Langenbrügge (Lüder) sprach von einer „zufriedenstellenden Ernte“. „Ich bin überrascht, da ich nach der großen Trockenheit im vergangenen Jahr mit deutlich weniger Spargel gerechnet hatte. Es war in diesem Jahr ein harter Spargel von besonderer Qualität“, so Brink.

Beide Spargelbauern zeigten sich zufrieden mit ihren Absätzen. Die Nachfrage bei Brinks Hofladen nach Spargel sei steigend. Der Kilopreis stieg im Vergleich zu 2018 um zirka 80 Cent pro Kilo an. Brink: „Spargelstechen ist kein Billigjob. So kann man auch in den nächsten Jahren von steigenden Preisen ausgehen.“

Im Gegensatz zu 2018, als der Spargel den Markt regelrecht überschwemmt habe, habe es in diesem Jahr eine ausreichende Menge gegeben, so Niemann. Ihm sei aber auch klar, dass aktuell vor allem ältere Menschen Spargel verzehren. Um jüngere Menschen für Spargel zu begeistern, veröffentlicht der Spargelbauer Kochrezepte. „Spargel ist Gourmetessen – super einfach und schnell zubereitet“, so der Spargelbauer in zweiter Generation. Die Hälfte seines verkauften Spargels sei mittlerweile die geschälte Variante. Der grüne Spargel genieße zwar eine steigende Nachfrage, er liege aber insgesamt im Vergleich zur traditionellen Variante bei gerade einmal zwei Prozent.

Ein Problem sei auch die zunehmende Trockenheit, sodass es immer schwerer werde, die Felder ausreichend zu bewässern. „Außerdem haben die formellen Anforderungen an Dokumentationen deutlich zugenommen. Das Ganze ist ausgeufert und sehr nervig – und bringt gar nichts“, so Niemann, der Spargel auf 20 Hektar anbaut.

Viele der 400 Betriebe in Niedersachsen hätten Probleme, Arbeitskräfte zu finden. Oliver Brink zählt nicht dazu. „Ich befinde mich in der glücklichen Lage, stets 60 bis 70 Leute als Erntehelfer zu haben. Das ist ein großer Stamm“, so der Spargelbauer. Seine Arbeitskräfte sind ein bunter Mix aus vielen europäischen Ländern, wie zum Beispiel aus Polen und Bulgarien. Brink: „Oft sind ganze Familien dabei, beispielsweise aus Bergdörfern. In diesem Jahr hatte ich zudem auch zwei Spanier und einen Italiener.“ Die Verständigung erfolge ausreichend auf Englisch.

Hinrich Niemann freut sich über einen festen Stamm von rund 70 Prozent an Saisonhilfskräften aus Osteuropa, die ihm jedes Jahr wieder helfen. „Wir hatten in diesem Jahr 20 Erntehelfer aus Polen und Bulgarien. Mir ist es wichtig, dass sie sich bei uns wohlfühlen“, sagte der Spargelbauer, der den Aushilfen nach eigener Aussage „gute Wohnungen mit Internet“ zur Verfügung stelle. Schließlich werde es zunehmend schwieriger aufgrund der florierenden Wirtschaft in Osteuropa, von dort Erntehelfer zu bekommen.

Brink ist ein klarer Gegner von Heizkraftwerken beim Spargelanbau. „Ich sehe es aus umwelttechnischen Gründen kritisch und betrachte es als bedenklich – und das Ganze nur, um zwei, drei Wochen eher Spargel zu haben?“ Niemann sagt dazu: „Wenn die Beheizung direkt neben einer Biogasanlage entsteht, ist das für mich okay. Wird es extra für den Spargelanbau errichtet, ist das aus meiner Sicht kompletter Schwachsinn.“

VON TIMO HÖLSCHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare