Bürgermeister sieht Brandschutz und Rettungswesen gefährdet

Ärger um geschlossene Schranken in Soltendieck

Soltendiecks Bürgermeister Joseph Zettelmaier vor der geschlossenen Bahnschranke
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Die Bahnschranke auf der L 265 in Soltendieck ist wieder mal geschlossen. Bürgermeister Joseph Zettelmaier befürchtet, dass bei noch längeren Schließzeiten der Brandschutz und das Rettungswesen gefährdet sind.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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 Joseph Zettelmaier ist ein Freund klarer Worte. Und so beschreibt der Soltendiecker Bürgermeister seine Befürchtungen hinsichtlich des Bahnübergangs in seinem Wohnort auch ohne Umschweife: „Die Feuerwehren stehen hier vor geschlossener Schranke und sehen, wie drüben das Haus abbrennt.

Soltendieck - Natürlich hofft Zettelmaier, dass dieses Szenario niemals Realität wird. Doch die für 2030 für Soltendieck vorausgesagten Schrankenschließzeiten lassen nach seiner Meinung Böses erwarten. Denn nach dem zweigleisigen Ausbau der „Amerikalinie Ost“, der Bahnstrecke Uelzen-Stendal, und der starken Zunahme der Zugzahlen wird für den Bahnübergang auf der L 265 tagsüber eine durchschnittliche Schließzeit von 26 bis 27 Minuten pro Stunde erwartet. Nachts sollen es sogar 35 bis 36 Minuten sein. Ohne eine höhenungleiche Umfahrung des Übergangs durch einen Tunnel oder eine Brücke werde es zu langen Wartezeiten der Feuerwehren und Krankenwagen vor den Schranken kommen, warnt Zettelmaier. Dadurch könnten Menschenleben in Gefahr geraten.

Die Bahnlinie verläuft direkt durch Soltendieck. Das Gerätehaus befindet sich südlich des Bahnübergangs, viele Feuerwehrleute wohnen aber nördlich davon. „Es wird fatal, wenn es Gegenverkehr auf dem zweiten Gleis gibt. Die Schranke wird dann für lange Zeit nicht hochgehen, weil schon der nächste Zug kommt“, befürchtet Zettelmaier. Daher sei das Land als Straßenbaulastträger in der Pflicht, dort tätig zu werden – so wie in Wieren, wo ein Tunnel unter der L 270 gebaut werden soll (AZ berichtete).

Doch Zettelmaier gibt offen zu: „Ich fühle mich von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr total allein gelassen. Es ist dort keinerlei Wille erkennbar, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.“ Enttäuscht sei er auch von den heimischen Abgeordneten in Bundes- und Landtag. „Sie haben vollmundige Versprechungen gemacht, aber es kommt nichts dabei heraus. Bislang ist nicht erkennbar, dass sie sich für eine Lösung in Soltendieck eingesetzt haben“, meint er

Zettelmaier setzt deshalb große Hoffnungen in den Brandschutzbedarfsplan der Samtgemeinde Aue, der derzeit von einem externen Büro fortgeschrieben wird. Darin werden unter anderem die Auswirkungen des Ausbaus der „Amerikalinie Ost“ auf den Brandschutz vor Ort untersucht. Doch der neue Bedarfsplan wird laut Samtgemeindebürgermeister Michael Müller erst Mitte 2022 vorliegen. Zettelmaier hätte sich eine deutliche frühere Fertigstellung gewünscht.

Die zeitliche Verzögerung habe mehrere Gründe, erklärt Müller. Zum einen habe die Samtgemeinde erst auf die Genehmigung des Haushalts 2021 durch den Landkreis warten müssen, bevor die finanziellen Mittel für die Auftragsvergabe frei gewesen seien. „Außerdem mussten wir dem Büro viele Daten liefern, das war sehr umfangreich“, sagt Müller. „Wir sind zeitlich aber im Rahmen.“ Den ersten Entwurf des Plans erwartet er für Januar 2022.

Auch Müller hofft, dass das Land die Initiative für den Bau eines Tunnels oder einer Brücke in Soltendieck ergreift. „Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sieht derzeit aber keine Notwendigkeit, dort eine höhenungleiche Lösung zu schaffen“, bedauert Müller. Er setzt nun darauf, dass das Land doch noch einlenkt.

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