Unterstützer des Treffpunkts in Bohlsen legen neue Kostenschätzung vor / Bürgermeister skeptisch

„Die Sache ist jetzt ausgegoren“

+
Der Initiativkreis um Niels-Peter Fischer und Wilhelm Schröder (vorne von links) sowie Otto Schröder, Volker Krause, Hannelore Schröder und Jost Leune (hinten von links) präsentiert den Entwurf des geplanten „Treffpunkts Gerdautal“ in Bohlsen.

Bohlsen. „Ein Haus für alle im Dorf und in der Gemeinde“ – so ist das Vorhaben des Initiativkreises „Treffpunkt Gerdautal“ in Bohlsen überschrieben.

Doch das geplante Zweiständerhaus, das als Lernort sowie Kultur- und Kommunikationsstätte dienen soll, war im Gerdauer Gemeinderat auf Kritik gestoßen (AZ berichtete). Die erste Kostenermittlung in Höhe von rund 360 000 Euro habe weder Hand noch Fuß, hatte Bürgermeister Stefan Kleuker vor Kurzem bemängelt.

Stefan Kleuker

Jetzt hat der Initiativkreis eine neue Berechnung vorgelegt. In dieser belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 389 000 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde würde 189 000 Euro betragen, der Rest könnte durch Fördermittel finanziert werden, erklärt Architekt Niels-Peter Fischer, von dem die neue Kostenberechnung stammt. Diese sei sehr realistisch, denn sie sei nach DIN-Norm ermittelt worden. „Darin sind nun auch die Inneneinrichtung, der Anbau und die Planungskosten enthalten“, sagt Fischer. Diese Posten hatte Kleuker vermisst.

„Die Sache ist jetzt ausgegoren“, betont Fischer. Deshalb hofft der Initiativkreis, den Rat umstimmen zu können. Denn dieser hat beschlossen, nur 30 000 Euro aus Gemeindemitteln für das Projekt zu gewähren und das ins Auge gefasste Grundstück am Bohlser Speicher nicht für eine Bebauung zur Verfügung zu stellen. Damit erneuerte der Rat einen Beschluss von 1985.

Die Suche nach einem Alternativstandort sei bisher aber erfolglos gewesen, bedauert Projekt-Unterstützer Wilhelm Schröder und nennt ein Beispiel: „In der alten Schule in Bohlsen wäre der Treffpunkt in dieser Form nicht möglich.“ Dort fehlten Toiletten sowie Lagermöglichkeiten für Biertische und Zelte. Auch sei der Standort nicht so zentral im Ort gelegen wie die Wiese am Speicher. „Und wir müssten das Grundstück noch kaufen“, gibt Schröder zu bedenken.

Der Rat habe mit seinem Beschluss von 1985 Wohnhäuser und eine gewerbliche Bebauung verhindern wollen, meint Fischer. Doch das habe der Initiativkreis gar nicht vor. Das damalige Votum widerspreche somit nicht der jetzigen Bauabsicht. „Wir würden uns wünschen, dass der Rat seine Meinung ändert“, sagt Ex-Bürgermeister Otto Schröder.

Das hält Gerdaus jetziger Bürgermeister jedoch für sehr fraglich. „Ich finde den Weg falsch, der dort eingeschlagen wird“, sagt Kleuker. „Der Initiativkreis ignoriert vollständig den Ratsbeschluss. Es wurde keine Einschränkung getroffen, dass das Grundstück nur für gewerbliche Zwecke nicht bebaut werden soll.“ Statt auf diesem Standort zu beharren, sollten die Treffpunkt-Unterstützer ernsthaft nach alternativen Flächen suchen, schlägt Kleuker vor.

Außerdem bezweifelt er die nun vorgelegten Zahlen. Die ungedeckten Kosten der Gemeinde würden viel höher ausfallen als angegeben, denn der Initiativkreis habe die Fördermittel falsch berechnet, meint Kleuker. Sein Fazit: „Dieses Konzept ist beim Rat nicht gut angekommen.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.