Ruhe vor dem Ansturm

Praktische Arbeit wird am Campus Suderburg groß geschrieben. Statt nur über Büchern stecken die Studenten hier einen Großteil der Zeit in praktische Arbeit. Foto: Ph. Schulze

Suderburg/Lüneburg/Stendal. Die Hochschulen in Niedersachsen rüsten sich für den doppelten Abiturjahrgang. Denn mit der Umstellung vom neunjährigen zum achtjährigen Gymnasium erwarten sie einen wahren Ansturm auf Studienplätze zum kommenden Wintersemester. Das Aussetzen der Wehrpflicht verschärft die Lage zusätzlich. Während die Ostfalia Hochschule und damit auch der Campus Suderburg sowie die Uni Lüneburg ihr Angebot erweitern, locken die Hochschulen in Stendal und Magdeburg mit dem was sie haben um Niedersachsens Abiturienten: freie Studienplätze und keine Studiengebühren.

So wird die Leuphana Universität in Lüneburg die Zahl der Studienanfänger um 400 erhöhen. Insgesamt werden im September somit 1700 Erstsemester ihre „Karriere“ an der Leuphana beginnen. „Die zusätzlichen Studienplätze werden vom Land Niedersachsen finanziert. Die Bundesregierung stellt den Ländern im Rahmen des Hochschulpaketes dafür zusätzliche Mittel zur Verfügung. Der Umfang der Finanzierung und die konkrete Verteilung der neuen Kapazitäten auf die verschiedenen Studienfächer der Leuphana werden im Rahmen einer Zielvereinbarung mit dem Land Niedersachsen geregelt“, erklärt Henning Zühlsdorff, Pressesprecher der Universität Lüneburg.

Auch am Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften kommt mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang einiges in Bewegung. Die Hochschule hat langfristig geplant und bereits 2010 das Angebot aufgestockt. An allen vier Standorten der Ostfalia (Wolfenbüttel, Wolfsburg, Salzgitter und Suderburg) wurden daher vergangenes Jahr 700 zusätzliche und dieses Jahr weitere 1000 Studienplätze geschaffen. „Das die Leuphana 400 weitere Plätze schafft, ist ja wahnsinnig für die Größe der Hochschule“, witzelte Ostfalia-Präsident Wolf-Rüdiger Umbach bei der Erstsemesterbegrüßung in Suderburg. Darüber hinaus hat die Ostfalia 2009 rund 100 neue Lehrende eingestellt und in den vergangenen vier Semestern verstärkt in die Ausstattung investiert – allein drei Millionen Euro flossen bisher in Sanierungsmaßnahmen am Campus Suderburg (die AZ berichtete).

Während viele Hochschulen in Niedersachsen also aufrüsten, um dem Ansturm gerecht zu werden, sorgen die zusätzlichen Abiturienten woanders für Begeisterung. Denn an den Standorten Magdeburg und Stendal macht sich wie an anderen Ost-Hochschulen der so genannte Geburtenknick bemerkbar. So hat sich die Nachfrage an Studienplätzen während der vergangenen Jahre in einigen Studiengängen verringert. „Die Studienbedingungen hier ähneln also in keiner Weise denen, die man spätestens ab Herbst in Niedersachsen befürchtet. Außerdem: Studiengebühren zahlt man bei uns nicht“, bricht Pressesprecher Norbert Doktor für seine Hochschule Magdeburg-Stendal eine Lanze. Gemeinsam mit der Uni Magdeburg wirbt die Hochschule dieses Jahr erstmals ganz gezielt in Niedersachsen und Bayern. Zu den „Campus-Days“ am 13. und 14. Mai können sich Studieninteressierte einen ersten Eindruck von dem Hochschulstandort Magdeburg verschaffen – in Stendal startet die gleiche Aktion eine Woche früher. Erfahrene Studenten werden die „Studi-Küken“ als „reiseleiter“ durch ihre Studentenstadt und ihren Campus führen.

Von Wiebke Brüttt

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