Gerdauer Rat begrenzt Zuschuss auf 30 000 Euro und gibt Grundstück am Bohlser Speicher nicht frei

Rückschlag für geplanten Dorftreff

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Auf dieser Fläche neben dem Bohlser Speicher sollte der Treffpunkt gebaut werden. Doch der Gerdauer Rat sagt dazu Nein. 

Bohlsen. Die Pläne des Initiativkreises Treffpunkt Gerdautal, in Bohlsen eine neue Versammlungsstätte für die Bürger zu errichten, haben einen Dämpfer bekommen.

Zwar steht der Gerdauer Rat dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, doch den ins Auge gefassten Standort für das Gebäude – auf der Wiese neben dem Bohlser Speicher – lehnte das Gremium jetzt ab. Und auch finanziell will sich die Gemeinde nicht in der vom Initiativkreis erhofften Höhe an dem Dorftreff beteiligen.

Wie berichtet, handelt es sich bei dem Gebäude um ein altes Zweiständerhaus, dessen Fachwerkteile derzeit in einer Scheune lagern. Es soll in der Ortsmitte aufgebaut werden und als Treffpunkt für alle Generationen dienen. Doch selbst in Bohlsen stößt das Projekt auf kritische Stimmen. Eine stammt von Christine Schröder, die sich in der Ratssitzung als Zuhörerin zu Wort meldete. Auch ohne das geplante Gebäude gebe es ein gutes soziales Leben in Bohlsen, lobte sie die örtlichen Vereine und die Feuerwehr. Den Standort am Speicher hält sie für falsch. „Man würde den freien Blick auf das Gerdautal hergeben“, warnte sie.

Dagegen brach Zuhörer Wilhelm Schröder eine Lanze für den Dorftreff. „Wir wollen das soziale Gefüge in Bohlsen ausbauen“, erklärte er. Im Ort gebe es keine vergleichbaren Gebäude für große Bürgerversammlungen. Es gehe auch nicht darum, den Platz am Speicher zu vereinnahmen: „Was hier geplant wird, wäre nur eine Ergänzung“, sagte er.

Angesichts des demografischen Wandels sei es wichtig, die Dörfer attraktiver zu machen, betonte Volker Krause, ein weiterer Unterstützer des Treffpunkts. Doch dem verschließe sich der Gemeinderat. „Ich erkenne nicht im Geringsten, dass gesehen wird, dass etwas passieren muss. Wo ist die Initialzündung, darüber nachzudenken?“, fragte er.

„Das Projekt ist noch nicht fertig, es sind Ungereimtheiten aufgetreten“, meinte hingegen Bürgermeister Stefan Kleuker (CDU). Er bezweifelt, dass die vom Initiativkreis ermittelten Gesamtkosten von rund 360 000 Euro – bei einem Gemeinde-Anteil von 148 000 Euro – stimmen. Der Anbau am Fachwerkhaus und die Inneneinrichtung seien gar nicht in die Kalkulation eingeflossen. Realistischer sei eine Summe von 465 000 Euro und ein Gemeinde-Anteil von 275 000 Euro. „Das ist nicht rund, das ist nicht zu Ende gedacht“, kritisierte Kleuker die vorgelegte Kostenschätzung.

Zudem verwies er auf einen Ratsbeschluss von 1985, nach dem das Grundstück am Speicher nicht bebaut werden darf. Dieses Votum erneuerte der Rat jetzt einstimmig. Damit muss sich der Initiativkreis einen neuen Standort suchen. Überdies beschloss der Rat, nur 30 000 Euro aus Gemeindemitteln für das Projekt zu gewähren. Das ist die notwendige Co-Finanzierung, damit der Initiativkreis Leader-Zuschüsse in maximaler Höhe beantragen kann. Wilhelm Schröders Reaktion war eindeutig: „Das finde ich sehr traurig für eine Gemeinde, die über Millionen verfügt.“

Von Bernd Schossadowski

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