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Rollstuhlfahrer empört: Bus fährt an Haltestelle in Räber einfach vorbei

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Von: Bernd Schossadowski

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Udo Riemer sitzt in seinem Rollstuhl an der Bushaltestelle in Räber.
Udo Riemer wartete am vergangenen Sonnabend mit seinem Rollstuhl an der Haltestelle in Räber. Doch der Bus nahm ihn nicht mit, sondern fuhr einfach vorbei. © Bernd Schossadowski

Udo Riemer aus Räber ist über das Busunternehmen RBB verärgert. Dessen Fahrer hat ihn ohne anzuhalten an einer Haltestelle im Ort einfach sitzen lassen – und das, obwohl Riemer im Rollstuhl sitzt.

Räber – Für Udo Riemer war es in jeder Hinsicht ein gebrauchter Tag. Am vergangenen Sonnabend wartete der 59-Jährige, der seit 15 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, an der eigens für ihn vor seinem Haus an der Alten Dorfstraße in Räber eingerichteten Bedarfshaltestelle auf den Bus der Linie 7040 nach Uelzen. Doch als dieser pünktlich um 7.57 Uhr kam, fuhr er ohne anzuhalten einfach an Riemer vorbei.

Die Folge: Der Räberaner konnte nicht, wie geplant, vom Uelzener Bahnhof mit dem Metronom nach Hannover und von dort mit dem Erixx nach Wolfsburg fahren, um ab 15.30 Uhr das Bundesligaspiel des VfL Wolfsburg gegen Schalke 04 live im Stadion zu verfolgen. „Das Spiel habe ich mir dann im Fernsehen angeschaut“, erzählt Riemer der AZ. Dass es ein trostloses 0:0 war, machte es für Riemer nicht besser.

Doch viel wütender als über die Leistung des VfL Wolfsburg, für den er eine Saison-Dauerkarte besitzt, ist Riemer über die Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB). Dass deren Fahrer ihn einfach an der Haltestelle hat sitzen lassen, ist für ihn unverständlich. „Mein erster Gedanke war: So ein Mist, wie komme ich jetzt nach Uelzen?“, sagt Riemer.

Dabei habe er, als sich der Bus ihm näherte, dem Fahrer noch zugewinkt. „Doch der hat einfach abgewunken, hat Gas gegeben und ist weitergefahren“, ärgert sich der Räberaner. Ein überfüllter Bus könne dafür nicht der Grund gewesen sein, denn dieser sei leer gewesen. Riemer vermutet daher, dass der Fahrer, den er zum ersten Mal sah, gar nicht wusste, dass er an der Bedarfshaltestelle stoppen muss.

Zwar fährt die Linie 7040 der RBB sonnabends auch noch um kurz nach 11 Uhr durch Räber. Doch dann wäre Riemer zu spät zum Anpfiff des Fußballspiels in Wolfsburg angekommen, erzählt er. Außerdem habe seine Tante in Wolfsburg für ihn am Sonnabend ein Mittagessen gekocht. Doch sie wartete vergeblich auf ihn.

Der Ärger von Riemer sei verständlich, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn, des Mutterkonzerns der RBB, auf Anfrage der AZ. „Das ist dem Busfahrer leider durch die Lappen gegangen. Das war ein Irrtum, es steckte keine Absicht dahinter“, entschuldigt sie sich. Die Bahn werde die RBB-Fahrer deshalb jetzt noch einmal sensibilisieren: Sie sollen an der Haltestelle in Räber darauf achten, ob Riemer dort wartet, und dann anhalten und ihn im Bus mitnehmen, betont die Bahnsprecherin.

Allerdings weist sie darauf hin, dass die Bedarfshaltestelle in Räber im Zuge des damaligen Ausbaus der Kreisstraße nur provisorisch eingerichtet worden sei. Riemer sollte der Weg mit seinem Rollstuhl zur etwa 500 Meter entfernten Haltestelle in der Ortsmitte erspart werden. „Nach dem Abschluss der Bauarbeiten hätte man die Haltestelle eigentlich abbauen müssen, weil sie gar keine offizielle mehr war. Sie ist seitdem nur stillschweigend geduldet“, erläutert die Sprecherin.

Die Bahn werde den Vorfall in Räber jedoch zum Anlass nehmen, um bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen die Einrichtung einer dauerhaften, offiziellen Bedarfshaltestelle vor dem Haus von Riemer zu beantragen. „Diese wird dann in die Fahrplan-Unterlagen aufgenommen“, kündigt die Bahnsprecherin an. Wann genau das geschehen wird, stehe aber noch nicht fest.

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