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Risse in der Kirchenglocke: Suderburgs Wahrzeichen muss erneuert werden

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Von: Bernd Schossadowski

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Günther Schröder, Mitglied des Suderburger Kirchenvorstands, steht neben der großen Bronzeglocke im Turm von St. Remigius.
Günther Schröder, Mitglied des Suderburger Kirchenvorstands, steht neben der großen Bronzeglocke im Turm von St. Remigius. © Bernd Schossadowski

Obwohl die große Bronzeglocke im Turm der Suderburger St.-Remigius-Kirche erst 31 Jahre alt ist, hat sie bereits einen irreparablen Riss. Deshalb muss das akustische Wahrzeichen der Kirche ausgebaut und durch eine neue Glocke ersetzt werden. Doch es gibt große logistische Probleme.

Suderburg – Sie ist verstummt – und so mancher Suderburger ist darüber verstimmt. Denn gerade mal 31 Jahre hat die große Bronzeglocke im Turm der St.-Remigius-Kirche gehalten. Dann wurde bei ihr ein Riss festgestellt, der immer größer wird. Daher wurde sie stillgelegt. „Der Schaden ist irreparabel. Die Glocke muss ausgebaut und durch eine neue ersetzt werden“, sagt Kirchenvorstandsmitglied Günther Schröder. Das wird aber ein logistischer Kraftakt, denn der Glockenturm bietet für ein solches Manöver nicht genug Platz.

„Schon damals beim Guss der Glocke müssen Fehler passiert sein“, glaubt Schröder. Leider sei die Gewährleistungspflicht abgelaufen. Der Kirchenvorstand hat bereits die Firma kontaktiert, die damals die 1,2 Tonnen schwere Glocke gegossen hat. Dazu gab es auch schon einen Ortstermin in der Kirche. Ein Kostenvoranschlag der Firma für ein neues Geläut liegt noch nicht vor, Schröder rechnet aber mit Ausgaben zwischen 20 000 und 50 000 Euro.

Die Landeskirche werde dafür zwar einen Obolus zahlen, doch den Rest müsse die Kirchengemeinde selbst aufbringen. „Vielleicht lässt sich das mit dem Material der alten Glocke verrechnen“, hofft Schröder. „Für ein Kilo Bronze bekommt man etwa 17 Euro. Bei dem Gewicht wären das rund 20 000 Euro.“

Klang-Untersuchung mit Auffälligkeiten

Aufgefallen war der Schaden, als sich im vorigen Jahr ein Experte den Klang der großen Glocke anhörte. „Er hat gesagt: Da stimmt irgendwas nicht“, berichtet Schröder. Bei der darauffolgenden Untersuchung sei der Riss entdeckt worden. Auch Andreas Philipp, Glockensachverständiger der Landeskirche, hat sich Tonaufnahmen von der Glocke angehört. Er kam zum Schluss, dass diese ausgetauscht werden muss.

Doch der Ausbau der alten und der Einbau der neuen Glocke stellen eine echte Herausforderung dar. „Dafür ist es im Turm einfach zu eng“, erklärt Schröder. Die Glocke passe nicht zwischen Gebälk und Mauerwerk hindurch. Doch Schröder sieht eine Möglichkeit: Die neue Glocke könnte auf der Südseite der Kirche durch eine Schallöffnung in den mehr als 1000 Jahre alten Turm geschoben werden. Auf diesem Weg müsste zuvor die alte Glocke herausgeholt werden. „Vielleicht mit einem Teleskoplader“, meint Schröder.

Schallöffnung im Turm muss vergrößert werden

Dazu müsste die Schallöffnung vergrößert, also ein Loch ins Mauerwerk geschlagen werden. Denn die alte Glocke hat einen Durchmesser von 1,12 Meter. Wie diese 1991 in den Turm eingesetzt wurde, weiß Schröder nicht. „Es sieht so aus, als ob neben der Schallöffnung Beton eingebaut wurde. Möglicherweise ist dort schon mal eine Glocke durchgeschoben worden.“ Auf jeden Fall müsse der Turm nach Abschluss der Arbeiten wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden, denn er stehe unter Denkmalschutz.

Auch die neue Glocke soll aus Bronze gegossen werden. „Sie wird ein paar Zentimeter größer als die alte“, verrät Schröder. Wann der Austausch beginnt, hängt davon ob, wie schnell die Kirchen-gemeinde Spendengelder zusammenbekommt. Wer die Finanzierung der Glocke unterstützen möchte, kann sich bei Schröder unter (0 58 26) 15 75 oder bei Monika Stratmann-Müller im Pfarrbüro unter (0 58 26) 82 23 melden.

Auf Geläut muss die Suderburger Kirche aber nicht verzichten. Im Turm hängt nämlich noch eine zweite, kleinere Bronzeglocke aus dem Jahr 1601. Sie ist ohne Makel und bis heute voll funktionstüchtig. „Das war noch echte Wertarbeit“, sagt Schröder und schmunzelt.

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