Mehr Platz für den Stahlbach

Renaturierungsprojekt in Hamerstorf schafft neue Lebensräume für Tiere

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Die Verbandsingenieure Sarina Brandenburg und Ingmar Sannes (rechts), hier zusammen mit Baggerführer Christian Barge, stehen am Ufer des Stahlbaches in Hamerstorf. Die Randstreifen wurden dort renaturiert. 

Hamerstorf – Der Stahlbach ist nicht ohne Tücken. Gemächlich fließt das wenige Zentimeter tiefe Gewässer durch Hamerstorf. Doch wer den nur etwas mehr als einen Meter breiten Bach zu Fuß durchqueren will, muss aufpassen.

Sein Bett ist sandig und gibt nach – wer nicht aufpasst, steht plötzlich bis zu den Knien im Wasser.

Doch das ist nicht die ein-zige Überraschung, mit der der Stahlbach aufwartet. Bei Starkregen tritt er regelmäßig über die Ufer und flutet den Keller eines Anliegers. Um einen besseren Abfluss zu ermöglichen, hat der Wasser- und Bodenverband Uelzen jetzt ein Pilotprojekt in Hamerstorf gestartet: Auf einem etwa 100 Meter langen Abschnitt zwischen der Kreisstraßenbrücke, die derzeit erneuert wird, und der hölzernen Fußgängerbrücke wurde das Bachufer renaturiert.

Dazu wurde der Oberboden mit einem Bagger abgetragen und mit einem Trecker-Anhänger abtransportiert. Auf diese Weise sind zu beiden Seiten des Baches jeweils fünf Meter breite Streifen entstanden. „Wir wollen dem Wasser dadurch Raum geben, sich in der Fläche auszubreiten“, erklärt Ingmar Sannes, Ingenieur beim Wasser- und Bodenverband.

Außerdem hat der Landkreis Uelzen einen Durchlass im Stahlbach, der viel zu klein für große Wassermassen war, entfernt. „Dort gab es bei heftigen Niederschlägen immer wieder Rückstau. Bei Hochwasser floss der Wasser auf die angrenzenden Wiesen“, schildert Verbandsingenieurin Sarina Brandenburg.

Das soll mit der jetzigen Renaturierungsmaßnahme verhindert werden. Die abgetragenen Randstreifen sind unregelmäßig gestaltet und mit Mulden durchsetzt. „Dort kann das Wasser stehen bleiben. Dadurch wird eine Sekundäraue geschaffen“, erklärt Brandenburg. Lurche, Frösche und Insekten finden dort bessere Lebensbedingungen vor. Das Projekt sei mit den Flächeneigentümern abgestimmt. „Es wurde von einem Anlieger mitinitiiert, damit sich die Hochwassersituation vor Ort entschärft“, sagt Sannes.

In einem zweiten Schritt wird der Wasser- und Bodenverband an drei Stellen im Stahlbach Kies einbauen. Dadurch steigt die Fließgeschwindigkeit und der Sand im Bachbett wird weitertransportiert. Dieser eignet sich nämlich nicht als Lebensraum. „Die Fische brauchen Kies zum Laichen“, schildert Brandenburg. „Und die Kleinstlebewesen, zum Beispiel Bachflohkrebse und Eintagsfliegenlarven, leben in den Lücken im Kies.“

Das Renaturierungsprojekt hat ein Kostenvolumen von etwa 15 000 Euro und wird zu 90 Prozent vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gefördert. „Wir sehen uns an, wie sich das Projekt hier entwickelt, um es danach auch an anderen Standorten umzusetzen“, sagt Brandenburg.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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