Bauvorhaben neben der alten Schule am Gänsekamp

Rat Suderburg beschließt Neubau der Krippe

Die Fläche zwischen dem bestehenden Krippengebäude und der alten Schule in Suderburg.
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Auf dieser Fläche zwischen dem bestehenden Krippengebäude (links) und der alten Schule (rechts) in Suderburg soll der Krippenneubau nach dem mehrheitlichen Beschluss des Gemeinderates errichtet werden.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Mit zehn zu fünf Stimmen hat der Suderburger Gemeinderat beschlossen, einen Krippen-Neubau zwischen der alten Schule am Gänsekamp und der bestehenden Krippe zu errichten. Dafür müsste jedoch ein Stück vom Dachüberstand des historischen Schulgebäudes entfernt werden.

Suderburg – Die Planungen für den Neubau eines Krippengebäudes in Suderburg gehen in eine andere Richtung. Vor fünf Monaten hatte der Gemeinderat mehrheitlich den Abriss der ehemaligen Schule am Gänsekamp beschlossen. Auf diesem Grundstück sollte die neue Krippe entstehen (AZ berichtete). Doch in seiner jüngsten Sitzung rückte der Rat – unter anderem aufgrund des aktuellen Bürgerbegehrens zum Erhalt der alten Schule – von diesen Plänen ab. Stattdessen wurde mit zehn zu fünf Stimmen beschlossen, einen frei stehenden, eingeschossigen Neubau für zwei Krippengruppen zwischen der bestehenden Krippe und dem einstigen Schulgebäude zu errichten.

Das dortige Grundstück ist jedoch recht beengt. Christian Martens und Oliver Zeise vom Uelzener Architekturbüro Fischer Martens Behn erklärten in der Ratssitzung, dass die gesetzlichen Abstände nur eingehalten werden können, wenn von einem hölzernen Dachüberstand des alten Schulgebäudes etwa 20 Zentimeter entfernt werden. Zudem müsste ein Tor am 1908 errichteten Bau zugemauert werden. Für diese Lösung sprach sich der Rat nach fast zweistündiger kontroverser Debatte aus.

Fast identische Kosten für beide Varianten

Martens und Zeise hatten dem Rat noch eine völlig neue Alternative vorgeschlagen: ein Anbau direkt am ehemaligen Schulgebäude. Dabei würden die beiden Gruppen- und Ruheräume für die Krippenkinder im Anbau entstehen, während die Küche und Personalräume im Erdgeschoss der alten Schule untergebracht würden. Diese würde kernsaniert, und es müsste eine kleine Gebäudespange abgerissen werden, um beide Baukörper zu vereinen. Die Kosten für die zwei Varianten würden sich nicht groß unterscheiden. In beiden Fällen wären es etwas mehr als eine Million Euro.

Doch Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) bezweifelte, dass sich der finanzielle Rahmen bei einer Nutzung des alten Schulgebäudes einhalten ließe. „Wir wissen überhaupt nicht, was da noch an Kosten hinterher auf uns zukommen wird“, betonte er. Vernünftiger wäre aus seiner Sicht, einen zweckmäßigen Neubau zu errichten, dessen Folgekosten deutlicher geringer wären. Kritik übte Drögemüller auch am Erscheinungsbild der alten Schule: „Das soll ein Schmuckstück sein für Suderburg? Das kann ich nicht unbedingt nachvollziehen.“

Dagegen befürwortete Christine Kohnke-Löbert (Grüne) einen Krippenanbau an der ehemaligen Schule. „Das ist die sinnvollste Variante. Wir retten ein ortsgeschichtliches Gebäude und haben deutlich mehr Platz im Innenbereich und auch im Außenbereich für die Kinder“, meinte sie.

„Hohe Dichte in diesem Quartier“

Einen flammenden Appell für einen Anbau samt Nutzung der alten Schule richtete Götz Schimmack (Gruppe Pellnath-Schimmack) an den Rat. „Ein Neubau zwischen den vorhandenen Gebäuden wäre nur mit Hängen und Würgen möglich“, sagte er. Ein frei stehendes Krippengebäude würde dort „dazwischengequetscht“. Dadurch würde „eine sehr hohe Dichte in diesem Quartier entstehen“. Außerdem wäre es aufgrund der engen Baugrenzen nicht möglich, den Neubau irgendwann einmal um eine dritte Krippengruppe zu erweitern, gab Schimmack zu bedenken.

Vor zeitlichen Verzögerungen und einem Verlust der Fördermittel warnte Udo Depner (CDU). Sollte die Planung in Richtung Anbau gehen, „dann müssten wir jetzt bei Null anfangen“, sagte er. Gemeindedirektor Thomas Schulz hatte berichtet, dass die Baumaßnahme bis zum 30. Juni 2022 abgeschlossen und die Förderanträge bis zum 30. September 2022 eingereicht werden müssen. Doch bis dahin sei ein Krippenanbau an der alten Schule kaum zu bewerkstelligen, glaubt Depner. „Wir müssen damit rechnen, dass die Baugenehmigung durch den Landkreis ein halbes Jahr dauert.“

Rechtliche Frage muss noch geklärt werden

Trotz des jetzt beschlossenen Neubaus gibt es noch eine Unwägbarkeit: Wie lassen sich die Pläne, 20 Zentimeter am Dach der alten Schule zu entfernen, mit dem Bürgerbegehren zum Erhalt der ehemaligen Schule vereinbaren? „Wir werden das einer rechtlichen Prüfung unterziehen“, kündigt Verwaltungschef Schulz im AZ-Gespräch an.

Dieser Aspekt ist nicht ohne Brisanz. Denn Andreas Paschko, einer der Antragsteller des Begehrens, signalisierte während der Ratssitzung, dass die Bürgerinitiative zwar mit dem Abriss der Spange am alten Schulgebäude zwecks Schaffung eines Krippenanbaus leben könnte. Doch das Entfernen des Dachüberstandes, um daneben einen Neubau errichten zu können, sehe die Initiative äußerst kritisch, ließ Paschko durchblicken.

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