Der Holxer Rollstuhlfahrer Andreas Mücke nimmt mit dem Handrad an Inklusionslauf in Berlin teil

Persönliche Bestmarke

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Rollstuhlfahrer Andreas Mücke (links) mit dem Team Mücke beim Inklusionslauf. Das Fahren mit dem Handrad musste der 48-Jährige erst mühsam erlernen. 

Holxen. Früher strotzte er vor Kraft, jetzt sitzt er im Rollstuhl. Aber Andreas Mücke, deutscher Meister im Auto-Ziehen des Jahrs 2002, lässt sich auch nach zwei Schlaganfällen nicht entmutigen (AZ berichtete).

Runde um Runde hat der 48-jährige Holxer nach seiner Entlassung seit April auf dem Suderburger Sportplatz trainiert, um am Inklusionslauf in Berlin teilzunehmen. 48 Minuten und 32 Sekunden für die Fünf-Kilometer-Strecke, das ist seine persönliche Bestmarke, mit der er jetzt mit dem 213. Platz im ersten Drittel von 750 Startern landete.

„Bei diesem Lauf gibt es nur Gewinner, weil jeder für sich der Krankheit oder dem Handicap ein Schnippchen schlägt.“

Andreas Mücke

„Bei diesem Lauf gibt es nur Gewinner, weil jeder für sich der Krankheit oder dem Handicap ein Schnippchen schlägt“, sagt Mücke. „Für mich ist es klasse, dabei gewesen zu sein.“ Der Sozialverband Deutschland hatte bundesweit Menschen mit Handicap zu diesem besonderen Lauf aufgerufen. Die Stimmung auf dem alten Flughafen Berlin-Tempelhof sei eine ganz besondere gewesen, erzählt der frühere Arbeitspädagoge. Rollifahrer seien mit Blinden oder Spastikern gemeinsam auf der Strecke gewesen, und dabei sei zwischendurch auch für ein Gespräch von Mensch zu Mensch Zeit gewesen.

Schon vorher hatte der Mann, der früher Autos mit einem Abschleppseil in 36 Sekunden über eine Distanz von 100 Metern bewegte, durch den Bericht in der AZ Kontakt zu Gleichgesinnten gefunden, und so trat er mit seinem Handrad unter der Startnummer 335 gemeinsam mit einem Rollstuhlfahrer mit Wirbelsäulenschaden und seiner Frau als Begleiterin sowie einer Epileptikerin als „Team Mücke“ an.

Welche Leistung er dabei erbracht hat, lässt sich erst ermessen, wenn man bedenkt, dass Mückes rechte Seite seit den beiden Schlaganfällen gelähmt ist. Statt der Pedale beim Fahrrad dreht der Holxer eine Handkurbel – ein Bewegungsablauf, den er erst mühsam erlernen musste. Seine rechte Hand hat nur noch 27 Prozent der normalen Kraft. „Mit dem Oberkörper gleiche ich aus, was die Hand nicht mehr schafft“, erklärt Mücke. Das bedeutet, dass der 130-Kilo-Mann sich bei jeder Drehung selbst nach vorne wuchtet, um den toten Punkt zu überwinden.

Mit der Teilnahme beim Inklusionslauf in Berlin ist der sportliche Ehrgeiz des Rollstuhlfahrers aus Holxen noch lange nicht befriedigt. Sein nächstes Ziel steht bereits fest und er trainiert dafür: der Unicef-Lauf in Schwerin am Sonnabend.

Von Gerhard Sternitzke

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