Beim zehnten Uelzener Forum in der Ostfalia ging es um Digitalisierung und demografischen Wandel

Nicht nur Risiken, auch Chancen

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Das Smartphone ist heute aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Bei der Digitalisierung der Arbeitswelt werden Berufsfelder sich verändern, verschwinden oder neu entstehen. 

Suderburg. „Auf jeden Fall wird es Gewinner und Verlierer geben“, sagt Sönke Feldhusen. Der rasende technologische Fortschritt verändert die Arbeitswelt, und damit verändern sich Berufsbilder, verschwinden oder entstehen neu.

Sönke Feldhusen

Am Ende könnten durch die Digitalisierung aber mehr Arbeitsplätze entstehen als verloren gehen, prophezeit der Experte der IHK Lüneburg gestern beim zehnten Uelzener Forum zum Thema „Demografischer Wandel und Digitalisierung der Gesellschaft“ in der Ostfalia-Hochschule Suderburg.

„Routinetätigkeiten werden abnehmen“, erläutert der Diplom-Volkswirt. Beispiel Verkäufer: Waren auszeichnen, abrechnen, kassieren und verpacken können Computer und Maschinen. Schwer zu ersetzen ist der Mensch dagegen bei der Beratung und im Verkauf, so Jenne.

Alten- und Krankenpfleger werden auch zukünftig gebraucht, selbst wenn ein Roboter schwierige Tätigkeiten wie etwa das Umbetten erledigt. „Soziale Zuwendung kann nicht ersetzt werden“, ist Feldhusen überzeugt. Sie wird angesichts einer alternden Gesellschaft sogar an Bedeutung gewinnen.

Gefragt sind im Zeitalter der Digitalisierung Jobs, die soziale Qualifikationen, Kreativität oder Expertenwissen erfordern. „Facharbeiter müssen sich deshalb qualifizieren, und das Bildungswesen muss deutlich besser werden“, fordert der IHK-Experte.

Prof. Arnd Jenne

Prof. Arnd Jenne von der Ostfalia plädiert dafür, grundsätzlich die Organisation von Arbeitswelt und Rente zu überdenken. „Es ist kein Naturgesetz, es ist eine gesellschaftliche Festlegung, dass wir bis 65 arbeiten“, betont der Wissenschaftler. Dabei sei der 65-Jährige von heute nicht mit dem von früher zu vergleichen. Das Potenzial der Älteren, ihr Wissen, ihre Erfahrung, werde bislang verschenkt. Junge Menschen müssten dagegen beruflichen Erfolg, Familie und Hausbau gleichzeitig in einem engen Zeitfenster realisieren. Ginge es nach Jenne, dann würde das Arbeitsleben, etwa durch Sabbatjahre, entzerrt.

Grundsätzlich plädiert der Wissenschaftler dafür, im demografischen Wandel nicht nur die Gefahren, sondern die Chancen zu sehen. „Der demografische Wandel kann dazu führen, dass das Leben nicht an Lebensqualität verliert, sondern dass wir eine lebenswerte Gesellschaft erhalten.“ Dazu müssten Probleme jedoch ehrlich angepackt werden.

Veranstalter war der Präventionsrat Uelzen in Kooperation mit der Ostfalia. „Uns geht es nicht nur um Sicherheit der Haustür, sondern darum, wie wir zukunftweisend in einer gesunden Gesellschaft leben können“, sagt der Vorsitzende Hans Lepel.

Von Gerhard Sternitzke

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