Fotofallen bei Munster und Bergen bestätigen Nachwuchs / Offenbar drei Jungtiere

Neue Wolfswelpen in der Heide

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Zwei Jungwölfe des Wietzendorfer Rudels balgen sich auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd. Das zeigt die Aufnahme einer Fotofalle auf dem Gelände. Damit ist der diesjährige Nachwuchs des Rudels bestätigt.

Unterlüß/Wietzendorf. Sie balgen ausgelassen herum, beißen sich spielerisch ins Fell oder laufen munter umher. Die Rede ist von den jungen Wölfen des Wietzendorfer Rudels, die sich auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd tummeln.

Das zeigen die Aufnahmen einer Wildkamera, die der Bundesforstbetrieb Lüneburger Heide installiert hat.

Damit ist der Beweis erbracht, dass es in diesem Jahr mindestens drei Welpen im Wietzendorfer Rudel gibt. Die Bestätigung wurde mittels eines genetischen Nachweises geführt, teilt die Landesjägerschaft Niedersachsen mit. Das Rudel scheint zudem sein Territorium in Richtung des Übungsplatzes Munster-Süd verlagert zu haben, denn in diesem Bereich entstanden die Fotofallenbilder.

Auch auf dem Truppenübungsplatz Bergen ist Wolfsnachwuchs unterwegs. Dort zeigen Fotofallenaufnahmen des Bundesforstbetriebes mindestens vier Jungwölfe.

Eine Statusänderung gibt es hingegen für das Wolfsrudel auf dem Rheinmetall-Schießplatz bei Unterlüß. In diesem Gebiet leben zwar weiterhin erwachsene Tiere, doch es konnte seit 2014 keine Reproduktion mehr nachgewiesen werden. Deshalb wurde der Status dieses Rudels in „unklar“ eingestuft. Trotzdem geht Wolfsberater Theo Grüntjens davon aus, dass es auf dem Rheinmetall-Gelände Wolfsnachwuchs aus dem Jahr 2016 gibt. Ein offizieller wissenschaftlicher Beweis durch DNA-Spuren oder Fotoaufnahmen existiere zwar noch nicht, aber es seien dort drei Welpen gesehen worden. „Außerdem wurde eine Fähe mit Gesäuge fotografiert und gefilmt“, berichtet Grüntjens. Er ist daher überzeugt: „Die Jungwölfe sind da.“

Darüber hinaus sind in diesem Jahr mindestens sieben Welpen im Munsteraner Rudel bestätigt. Im Raum Eschede (Kreis Celle) sind es laut Landesjägerschaft wenigstens sechs Jungtiere. In der Göhrde (Kreis Lüchow-Dannenberg) wurde 2016 erstmals eine Reproduktion nachgewiesen – dort leben mindestens sechs Welpen. Bestätigten Nachwuchs haben auch die anderen Wolfsrudel in Niedersachsen: bei Schneverdingen, Gartow und Cuxhaven.

Neben dem unklaren Status auf dem Rheinmetall-Schießplatz gibt es somit aktuell acht Wolfsrudel und zwei einzeln lebende Fähen in Niedersachsen. „Für alle acht Rudel ist damit nun diesjährige Reproduktion nachgewiesen“, sagt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft.

Deren Pressesprecher Florian Rölfing schätzt, dass sich die Gesamtzahl der Wölfe im Land nunmehr auf etwa 80 erhöht hat. Angesichts einer Reproduktionsrate von etwa 30 Prozent pro Jahr und der Entwicklung der Wolfszahlen in Niedersachsen seit 2011 sei es klar, dass „sich die Wolfspopulation auch in Niedersachsen weiter sehr dynamisch ausdehnen wird. Damit werden ohne Zweifel auch die Konfliktfelder weiter zunehmen“, sagt Rölfing unter anderem mit Blick auf die Nutztierhaltung. Zugleich weist er darauf hin, dass „bevor eine biologische Kapazitätsgrenze für Wölfe in Deutschland erreicht ist, sehr wahrscheinlich eine gesellschaftliche Akzeptanzgrenze erreicht sein wird“.

Von Bernd Schossadowski

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