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In Eimke: „Die Schäferei ist am Aussterben“

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Von: Lars Lohmann

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Ein Mutterschaf säugt ein Lamm
Lammzeit in der Glockenbergschäferei Eimke. Doch die Stimmung ist aufgrund steigender Kosten, fehlendem Nachwuchs im Beruf sowie den Wolf getrübt. © Lohmann, Lars

Wenn sich Verena und Gerd Jahnke den Mutterschafen und ihren Lämmern im Stall am Rand von Eimke nähern, wird es lebhaft. Ein Schaf ist besonders zutraulich und lässt sich von Verena Jahnke durchkraulen. „Das ist unser Lockschaf“, erklärt die Eimkerin, die zusammen mit ihrem Vater die Glockenbergschäferei betreibt. Momente wie dieser sind es auch, die die Sorgen der beiden Schäfer vertreiben, meint sie. Denn die Schäferei hat mit Nachwuchsmangel und den steigenden Kosten für Futter und Strom zu kämpfen. Und dann ist da noch der Wolf.

„Die Fleischpreise sind momentan gut, weil die Konkurrenz aus England vom Markt verschwunden ist“, erläutert Gerd Jahnke. Doch reichen die dadurch verbesserten Einnahmen momentan nur, um die höheren Energiepreise, die gestiegenen Kosten für Kraftfutter und den erhöhten Aufwand, der zum Schutz der Schafe vor dem Wolf betrieben wird, gerade so abzudecken. Die Wolle hingegen ist seit Jahren ein Minusgeschäft – Kosten von rund 4500 Euro standen letztes Jahr Einnahmen von 700 Euro entgegen. „Wir können die Kosten nicht einfach umsetzen, da müssen wir die Kröte schlucken“, sagt Gerd Jahnke.

Da hilft auch die vom Land Niedersachsen gezahlte Mutterschafprämie den Jahnkes nicht wirklich weiter, weil sie auf 200 Tiere begrenzt ist. „Das ist dann ein Tropfen auf den heißen Stein“, verdeutlicht Gerd Jahnke.

13 Herdenschutzhunde setzen die Jahnkes inzwischen ein, um ihre rund 1700 Mutterschafe – davon 500 Heidschnucken – zu schützen. „Rechnerisch ist eine komplette Arbeitskraft damit für den Tag gebunden“, sagt Gerd Jahnke. Denn die Herden mit den Hunden müssen häufiger kontrolliert werden und auch die Arbeit mit der Herde werde durch die Tiere komplizierter. Statt ein- bis zweimal täglich sind die Jahnkes jetzt dreimal oder noch häufiger bei den Tieren. Rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche sind sie dafür im Einsatz.

„Das wollen nicht mehr viele auf sich nehmen“, weiß Verena Jahnke. Und das sei sicherlich auch einer der Gründe, warum es immer weniger Menschen gebe, die sich zum Schäfer ausbilden lassen wollten. „Viele derjenigen, die eine Ausbildung anfangen, hören dann auch schnell wieder auf, wenn sie die Wirklichkeit kennenlernen“, sagt Gerd Jahnke.

So kommt es auch, dass der Altersdurchschnitt der Betriebsführer immer weiter nach oben geht. Momentan liegt er zwischen 57 und 58 Jahren. Und Nachfolger sind aufgrund des Nachwuchsmangels nicht in Sicht. „Die Schäferei ist am Aussterben“, sagt Gerd Jahnke nüchtern. In einer Fachzeitschrift sei eigentlich in jeder Ausgabe wieder eine Schafherde wegen Betriebsaufgabe annonciert.

Zumindest ist der Wolf bisher noch ruhig und hat Jahnkes Schafen den Winter über bislang nichts getan. „Wir haben Muttertiere mit Lämmern im Kreis Lüneburg stehen, da haben die Kameras den Wolf zwar aufgenommen, aber bisher lässt er die Tiere in Ruhe“, sagt Gerd Jahnke. Im vergangenen Jahr war es laut Verena Jahnke zunächst auch ruhig, ab Februar hätten die Risse dann aber zugenommen. Mit Freunden und Bekannten hält die Eimkerin abwechselnd Nachtwache, um ihre Tiere zu schützen (AZ berichtete).

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