Ein „Flugzeug“ auf drei Rädern

Nach zwei Schlaganfällen: Holxener startet mit Handbike in neue Laufsaison

+
28 Gänge, Stahlrahmen, Carbonsitz und pannensichere Reifen: Mit seinem neuen Hand-bike will Andreas Mücke (48) aus Holxen, der bereits zwei Schlaganfälle erlitten hat, in diesem Jahr bei zahlreichen Laufwettbewerben starten.

Holxen – „Kämpfe mit Leidenschaft, siege mit Stolz, verliere mit Respekt, aber gib niemals auf. “ Dieses Motto hat sich Andreas Mücke auf einem Blatt Papier ausgedruckt, um es sich stets vor Augen zu führen.

Für den 48-Jährigen aus Holxen hat der Satz eine ganz besondere Bedeutung. Denn nach zwei Schlaganfällen hat er sich seit 2017 mit großem Willen zurück ins Leben gekämpft (AZ berichtete).

Und nicht nur das: Mücke, der beim Gehen stark eingeschränkt ist, hat 2018 mit seinem Rollstuhl und einem Handbike an mehreren Sponsorenläufen teilgenommen. Jetzt blickt er voller Zuversicht und Tatendrang auf weitere Läufe in ganz Deutschland, die er in diesem Jahr mit seinem neuen Handbike bestreiten will.

Den Auftakt der aktuellen Saison bildete für Mücke vor wenigen Tagen der zehn Kilometer lange Mühlenlauf in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Dort war es kalt und windig, immer wieder gab es Regenschauer. „Das war schon anstrengend“, erzählt Mücke und lacht. „Irgendwann kommt der innere Schweinehund und sagt: Fünf Kilometer hätten auch gereicht.“

Trotzdem bot der Holxener eine beeindruckende Leistung. Die Strecke legte er in 48:43 Minuten zurück. Damit landete er auf Platz 19 in seiner Altersklasse, wobei er der einzige Handbike-Fahrer unter mehr als 850 Läufern war. Beim SoVD-Inklusionslauf im vorigen August in Berlin hatte er fast die gleiche Zeit benötigt, allerdings für fünf Kilometer.

Woher kommt diese Leistungssteigerung? „Ich trainiere seit Januar fünfmal in der Woche in einer Physiotherapiepraxis und zusätzlich dreimal pro Woche an der freien Luft“, erklärt der 48-Jährige. Mittlerweile hat Mücke, der 2002 deutscher Meister im Autopulling war, 82 Kilo Muskelmasse aufgebaut – und das bei 130 Kilo Gesamtgewicht. „Natürlich kann ich nicht mehr so Gas geben wie vor den Schlaganfällen. Aber ich lasse mich dadurch nicht entmutigen und beiße die Zähne zusammen“, betont er.

Eine große Hilfe ist sein neues, gemietetes Handbike. Es ist etwa zehn Kilo schwer, hat 28 Gänge, einen Stahlrahmen, einen Carbonsitz und drei pannensichere Reifen. In Wittenburg hat Mücke damit eine Höchstgeschwindigkeit von 39 Kilometer pro Stunde erzielt. „Das ist ein richtiges Flugzeug“, scherzt er.

In diesem Jahr stehen für ihn weitere Wettkämpfe mit dem Handbike an: AZ-Lauf in Uelzen, Schlossgarten-Lauf in Ludwigslust, Firmenlauf in Berlin, Fünf-Seen-Lauf in Schwerin, Baden-Marathon in Karlsruhe, Inklusionslauf im bayerischen Dillingen und vieles mehr. Noch ist aber unklar, zu welchen Wettbewerben er als Handbike-Fahrer überhaupt zugelassen wird.

Die sportliche Leistung ist für Mücke jedoch nicht entscheidend. „Es geht darum, dass ich ein Vorbild bin“, sagt er. „Ich möchte ein Zeichen setzen, dass man trotz Handicap nicht aufgibt.“ Ganz im Sinne seines Lebensmottos.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare