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Nach brutalen Schlägen in Böddenstedt: Prozess am Landgericht beginnt

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Von: Theresa Brand

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Die beiden Angeklagten und drei Anwälte stehen nebeneinander im Gerichtssaal.
Gegen einen der beiden Angeklagten (2. von links), hier mit den Anwälten, hat gestern am Landgericht Lüneburg der Prozess begonnen. Gegen den anderen Angeklagten (rechts) wurde das Verfahren hingegen abgetrennt. © Theresa Brand

Am Landgericht Lüneburg hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 43-jährigen Angeklagten begonnen. Zusammen mit einem 34-Jährigen soll er im September 2018 einen Mann in Böddenstedt brutal zusammengeschlagen und beraubt haben.

Böddenstedt/Lüneburg – Sie sollen im September 2018 einen Mann in Böddenstedt brutal zusammengeschlagen und beraubt haben. Vor dem Landgericht Lüneburg sind am Donnerstag zwei Männer im Alter von 34 und 43 Jahren angeklagt. Sie sollen einem 55 Jahre alten Geschädigten auch Bargeld in Höhe von etwa 700 Euro abgenommen haben. Durch die Schläge soll der Mann massive Gesichtsverletzungen und Todesangst erlitten haben. Zudem sollen die Angeklagten ihm einen Finger gebrochen haben.

Der Prozess läuft am Donnerstag aber nur für den 43 Jahre alten Angeklagten. Der Grund: Der Verteidiger des 34-Jährigen ist erkrankt. Sein Mandant lehnt es aber ab, mit einem Anwalt in den Prozess zu gehen, „den ich vor fünf Minuten kennengelernt habe“, wie er sagt. Seinem Antrag wird stattgegeben, er darf das Gericht verlassen. Die Verhandlung gegen ihn wird zu einem späteren Zeitpunkt beginnen.

Zur Tat: Im September vor vier Jahren ist ein Mann aus Thüringen, das spätere Opfer, geschäftlich in Hannover. Anschließend übernachtet er einige Tage in Uelzen. Dort besucht er das Oktoberfest und lernt den 34-jährigen Angeklagten kennen. Dieser lädt ihn für den nächsten Tag zu einer kleinen Feier in seiner Wohnung ein. Dort kann der 55-Jährige für die verbliebenen drei Nächte seines Aufenthalts bei ihm und seiner Frau übernachten. Das Opfer willigt ein. „Ich wundere mich im Nachhinein selbst, dass ich das Angebot angenommen habe“, sagt der Mann jetzt vor Gericht.

Die weiteren Geschehnisse schildert der 55-jährige so: Am folgenden Tag trifft er sich mit seinem neuen Bekannten und dessen Frau. Gemeinsam fahren sie zur Wohnung der beiden, wo der zweite Angeklagte bereits wartet. Der 43-Jährige, der sich gestern beim Prozess mit keinem Wort äußert, ist zurzeit wegen anderer Delikte in Lüneburg inhaftiert.

Gemeinsam trinken die Vier in der Wohnung in Böddenstedt Alkohol. Dann gehen die beiden Angeklagten auf den Balkon, der 55-Jährige folgt ihnen. „Da habe ich plötzlich eine geknallt gekriegt“, sagt er. Das sei völlig grundlos geschehen. Das Opfer geht daraufhin wieder ins Wohnzimmer. Die beiden Angeklagten verlassen das Haus, kehren nach wenigen Minuten zurück. „Und da sind Sie nicht auf die Idee gekommen abzuhauen?“, fragt Richter Michael Herrmann. Die Stimmung habe sich wieder beruhigt, antwortet der 55-Jährige. „Ich habe getrunken, da sind die Reaktionsmuster nicht mehr logisch.“

Doch das wurde ihm zum Verhängnis: Die Angeklagten hätten in der Wohnung unvermittelt mit Fäusten auf sein Gesicht eingeschlagen. Immer wieder hätten die Täter von ihm abgelassen, kurz gewartet und dann weiter geprügelt. „Die waren wie in einem Blutrausch“, sagt der Geschädigte. Es gelingt ihm schließlich, auf den Balkon zu flüchten. In seiner Not springt er 5,50 Meter ins Dunkel hinunter. Doch die Flucht misslingt, die Täter holen den 55-Jährigen ein und bringen ihn zurück in die Wohnung.

Dort prügeln sie weiter auf ihn ein. Trotz seiner flehentlichen Bitte, damit aufzuhören, soll der 43-Jährige eine Eisenstange in die Hand genommen und gedroht haben: „Ich bringe dich um.“ Die Täter hätten ihm schließlich Geld, Portmonee und Handy abgenommen. Danach hätten sie ihn in ein Auto gesetzt und an einem Waldstück aussteigen lassen.

Bis zu einem Haus läuft der 55-Jährige, schwer verletzt im Gesicht und an den Händen. Der Anwohner ruft Polizei und Rettungswagen. „Dass die mich umbringen, stand für mich außer Frage“, sagt das Opfer am Donnerstag. Während seiner Schilderung bricht seine Stimme.

Als er nach drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wird, habe er vor Panik sein Haus vier Wochen lang nicht verlassen und nicht schlafen können. Noch immer leide er unter der Situation, sein gebrochener Finger sei bis heute nicht mehr voll bewegungsfähig, erklärt der Mann.

Die als Zeugin geladene Polizeibeamtin erinnert sich am Donnerstag noch genau. „Der muss richtig Dresche gekriegt haben“, sagt sie. „Er war so eingeschüchtert, er wollte nicht mal Anzeige erstatten. Er sagte: ,Die bringen mich sonst um.‘“ Bei der Fortsetzung des Prozesses am Mittwoch, 21. September, werden weitere Zeugen befragt.

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