Zum 12. Mal kommen Menschen aus ganz Europa für das „Klangrauschtreffen“ nach Hösseringen

Museumsdorf als Orchesterraum

+
Ohne Notenbuch oder irgendwelche Vorgaben: Beim Klangrauschtreffen im Museumsdorf sitzen die Teilnehmer in kleinen Grüppchen zusammen und musizieren mit ihren Instrumenten.

Hösseringen. Die „Konzertbesucher“ geben bereits Kommentare ab, kaum dass die ersten Töne des Dudelsackes verklungen sind. Sergey Novikov spielt das Instrument – und hat sich dafür an den kleinen Teich auf dem Gelände des Museumsdorfes in Hösseringen zurückgezogen.

Sein Publikum sind die Frösche im Wasser, deren Quaken die Dudelsackmelodien begleiten. Novikov stört es nicht. Für außergewöhnliche Klangerlebnisse ist er von Berlin in die Heide gereist: Der gebürtige Russe ist einer von rund 300 Teilnehmern des Klangrauschtreffens.

Bereits zum zwölften Mal kommen Menschen im Museumsdorf zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Mit Drehleiern, mit Dudelsäcken, mit Klarinetten oder der Nyckelharpa. Besonders in Schweden als Instrument bekannt, wurde die Nyckelharpa in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland gespielt. Seit gut 30 Jahren erlebt die Schlüsselfidel, wie das Instrument auch genannt wird, hierzulande eine Renaissance. Im Museumsdorf ist sie an diesem Wochenende immer wieder zu hören.

Beim Klangrauschtreffen werde mit dem Spielen von historischen Instrumenten, so Merit Zloch, Mitorganisatorin der Veranstaltung, eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen. Dr. Ulrich Brohm, Leiter des Museumsdorfes, stellt für diesen Brückenschlag alljährlich gerne das Areal in Hösseringen zur Verfügung. Musik sei auch als Teil der Kulturgeschichte zu verstehen, sagt er.

Als Merit Zloch und ihre Mitstreiter 2006 zum ersten Mal das Treffen organisieren, sehen sie es als Experiment. Menschen mit einem besonderen Faible für andere Formen der Musik sollten aufeinandertreffen, Sessions spielen, von einander lernen. Damals, sagt Zloch, habe sie nicht darüber nachgedacht, ob sich daraus eine Veranstaltungstradition entwickeln könnte. „Ich bin jetzt überrascht, dass es bereits das zwölfte Treffen ist“, sagt Zloch.

Und zu der neuen Auflage der Veranstaltung sind nicht nur Deutsche gekommen, sondern auch Holländer, Engländer oder Franzosen. Das Museumsdorf hat sich in einen riesigen Orchesterraum verwandelt. In Grüppchen sitzen die Teilnehmer zusammen, spielen, wonach ihnen ist. Der Name der Veranstaltung, Klangrauschtreffen, ist Programm.

Es wird nicht nur musiziert, sondern auch getanzt. Im Brümmerhof können Tanzwillige am Sonnabendnachmittag beispielsweise dänische Polka lernen. Auf der offenen Bühne nahe des Kötnerhauses treffen Tänze auf Folklore-Musik. Ernst Kraus tanzt an diesem Nachmittag mit anderen Chapelloise – traditionelle Volkstänze, bei denen die Partner gewechselt werden. Für den Rheinland-Pfälzer ist das Klangrauschtreffen fester Bestandteil des jährlichen Terminkalenders. „Alles ist so zwanglos. Musik solange zu hören, wie die Musiker Lust haben. Nicht anders ist es mit den Tänzen“, sagt Ernst Kraus, bevor er sich wieder auf den Weg zur Tanzfläche macht.

Von Norman Reuter

Bilder vom „Klangrauschtreffen“ in Hösseringen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare