Diskussion mit Studierenden über Corona-Pandemie

Ministerpräsident Weil besucht Suderburger Ostfalia-Hochschule

Stephan Weil steht vor dem Hauptgebäude der Suderburger Ostfalia zusammen mit den Professoren André Maire und Thomas Waldeer, Ostfalia-Vizepräsidentin Susanne Stobbe und den Studierenden-Vertretern Charlotte Falke und Vitalij Baubetrin.
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Stephan Weil (2. von rechts) zusammen mit den Professoren André Maire und Thomas Waldeer, Ostfalia-Vizepräsidentin Susanne Stobbe und den Studierenden-Vertretern Charlotte Falke und Vitalij Baubetrin (von links).

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat jetzt die Suderburger Ostfalia-Hochschule besucht. Im Mittelpunkt stand dabei eine Diskussion mit Studierenden über die Auswirkungen der anhaltenden Corona-Pandemie auf ihr Studium.

Suderburg – Stephan Weil wandert gern. 75 Kilometer in fünf Regionen Niedersachsens hat sich der Landesvater in diesen Tagen vorgenommen, um bei den Leuten nach schweren Corona-Monaten „den Puls zu fühlen“. Jüngst ging es ins Wendland, der Ith und das Bückeburgische folgen. Dazwischen ist Zeit für die Ostfalia in Suderburg und ihre Studierenden. Nur auf Schusters Rappen kommt er nicht: Am Dienstagabend rollen schwere schwarze Limousinen vor den Haupteingang der Hochschule. Der Ministerpräsident ist da, steigt aus und strebt dem Empfangskomitee, drei Professoren und zwei Vertretern des Allgemeinen Studentenausschusses, entgegen: Ein knappes „Moin“ ist Weils erstes Wort.

Von der Vizepräsidentin der Ostfalia, Professorin Susanne Stobbe, begrüßt, gibt es ein schnelles Bild vor dem Eingang. Und schon geht es hinein durch die Aula ins Audimax, in dem Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren auf den Ministerpräsidenten warten.

Der Corona-Blues lastet schwer auf den Studierenden. Weil hat Schwierigkeiten, das Eis zu brechen. Doch dann wird es eine lebhafte Diskussion. 35 Besucher verteilen sich auf 198 Sitzplätze. Weitere 50 sind online zugeschaltet. Es ist Professor André Maire, Dekan der Fakultät Bau-Wasser-Boden, der die Debatte ankurbelt.

Weil vermeidet Versprechungen. Außer vielleicht eine, die ganz sicher in seiner Macht steht: mit Wissenschaftsminister Björn Thümler zu reden, ob das Land im Wintersemester einige Corona-Regeln für die Universitäten vorgeben soll. Auch mit der Landeshochschulkonferenz will Weil sich beraten.

„Große Zuversicht. Die kann ich Ihnen sagen. Aber eine Sicherheit kann ich Ihnen nicht geben“, richtet sich Weil an die Studierenden, die nach fast drei Semestern Online-Studium ein viertes und einen neuerlichen Lockdown fürchten; die ihre Sorgen vor dem Ministerpräsidenten ausbreiten: Soll man sich ein Zimmer nehmen – oder auf ein weiteres Online-Semester spekulieren? Warum werden die fünf, sechs Klausuren je Semester nur online geschrieben, die Technik aber hake schon mal und auch die Abiturienten schrieben ihre Prüfungen doch in Präsenz? Warum segeln die Studierenden nur im Windschatten der Krise? Der Blick richte sich immerfort und viel zu oft auf die Schulen. Die Hochschüler würden schlicht vergessen.

Nun also „große Zuversicht“. Denn Weil betont mehrfach, dass es bis Ende September Impfangebote für alle Erwachsenen geben werde. Solange keine schweren Mutationen des Coronavirus folgten, „müssen wir diese Chance konsequent nutzen“, sagt Weil über den Impffortschritt in der pandemischen Entwicklung und lässt nicht gelten, dass sich die Studierenden übergangen fühlen: Von Hochschülern könne man Eigenständigkeit erwarten, von Grundschülern aber nicht. Zudem träfen im Regelbetrieb in den Vorlesungen und Seminaren an den Hochschulen täglich große Gruppen aufeinander und vermischten sich. „Vielleicht lässt sich aus den Erfahrungen der Schulen auch Honig saugen“, sagt Weil.

„Ich will nicht, dass der Einzelne vor sich hin kämpft, sondern eine gemeinschaftliche Gesellschaft“, sagt der Sozialdemokrat Weil. „Es darf nicht zwangsweise das Studium virtualisiert werden“, betont der 62-jährige Jurist und ist ganz bei den Hinweisen der Studierenden, dass die Eigenständigkeit, der Nebenjob oder die Studienfinanzierung wegbrechen könnten. Die Studierenden in Suderburg beklagen auch die psychische Belastung durch Corona – und das, obwohl es die Professoren doch gut gemeint haben mit ihren Hochschülern. Denn im Online-Angebot, das wird an diesem Abend deutlich, hat eine rasante Entwicklung stattgefunden.

Vizepräsidentin Stobbe hat hat für die Studierenden eine gute Nachricht, was die Infrastruktur der Ostfalia mit ihren Räumlichkeiten angeht: „Ab 9. Juli machen wir die Hochschule wieder auf.“

Weil bleiben nach der langen Diskussion mit den Studierenden nur fünf Minuten, eine Virtual-Reality-Brille auszuprobieren. Mit ihr wird das Bauverständnis computergestütz gefördert. Dann geht es wieder Richtung Hannover. Aber wer weiß? Vielleicht wandert er eines Tages mal durchs Suderburger Land. Von Christian Holzgreve

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