„Man merkt’s, wenn’s nicht klappt“

Tagung an der Suderburger Ostfalia-Hochschule beschäftigt sich mit der Zukunft der Logistik

+
Zukunftsvisionen für die Logistik (im Uhrzeigersinn): Das Lastenfahrrad kehrt zurück. Eine Drohne mit einem Paket. Lieferroboter auf dem Weg durch die Stadt. 3-D-Drucker könnten viele Lkw-Kilometer überflüssig machen.

Suderburg. Ohne sie blieben die Regale im Supermarkt leer, die Pizza käme nicht an die Haustür, und der Versandhändler hätte keine Ware: Der Kühllaster, der Pizzabote, der Spediteur – sie alle sind Logistik.

„Man merkt’s, wenn’s nicht klappt“, sagt Kirsten Wegner, Professorin für Logistik an der Ostfalia-Hochschule Suderburg. Um die Zukunft der Branche ging es jetzt bei einer Tagung des Suderburger Logistikforums an der Ostfalia.

Bislang bedeutete Logistik vor allem Verkehr, und der wuchs durch bequeme Lieferdienste, den Online-Versandhandel und arbeitsteilige Produktion. „Aber es ist eine spannende Frage, inwieweit lange Strecken noch nötig sein werden, wenn Produkte am 3-D-Drucker ausgedruckt werden“, blickt Kirsten Wegner, die die Tagung leitete, in die Zukunft. 3-D-Drucker sind in der Lage, dreidimensionale Gegenstände – meist aus Kunststoff – herzustellen.

Zukünftig könnte sich dadurch der Weg zum Kunden verändern, erklärt die Wissenschaftlerin. Bislang leben viele Unternehmen von der Lieferkette. Zukünftig könnte das bestellte Produkt mit dem 3-D-Drucker gleich im Versandlager oder beim Endlieferanten hergestellt werden, so die Idee. „Das sind Chancen für die Region“, ist Kirsten Wegner überzeugt. Wie viele Produkte – auch unter dem Umweltaspekt – tatsächlich „gedruckt“ werden können, bleibt zunächst offen.

Auch für die „letzte Meile“, die Lieferung an den Kunden, gibt es Ideen. Die Post hat eine Drohne als Postboten zu den Inseln erprobt. Die unbemannten Flugobjekte könnten aber auch Eillieferungen an Krankenhäuser übernehmen. Und ein Hamburger Pizza-Lieferdienst nutzt einen Lieferroboter. Mit Kameras und Ultraschall-Sensoren orientiert sich das Vehikel auf dem Bürgersteig. Der Kunde bestellt sein Essen per SMS. Er erhält dann eine Anleitung und eine PIN zum Öffnen. In der Hansestadt erleben aber auch die Lieferfahrräder eine Renaissance.

Eine andere Frage, die vor allem die Beschäftigten bewegt: Wird die Automatisierung Arbeitsplätze kosten? Ja, es werden Jobs wegfallen, sagt Kirsten Wegner. Etwa, wenn Lkws zukünftig unbemannt fahren sollten. Entsprechende Versuche laufen bereits. Auch der Fachkräftemangel befeuert diese Entwicklung. Aber es werden auch neue Arbeitsplätze entstehen. „Wir sind an einem spannenden Wendepunkt“, so Kirsten Wegner.

Dabei bricht die Professorin auch eine Lanze für eine Branche, die von vielen mit Skepsis betrachtet wird. „Das sind nicht alles Jobs für Ungelernte“, gibt die Wissenschaftlerin zu bedenken. Sie ermuntert deshalb Kommunen auch, Logistikzentren nicht nur deshalb zu verhindern, weil sie wenig Arbeitsplätze im Vergleich zur Fläche bieten.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.