Pfarrer Ingmar Maybach stellt mit „Viva la Reformation!“ die St. Remigius-Kirche auf den Kopf

Lieber zwei Tote als eine Braut

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Pfarrer Ingmar Maybach (links) aus dem Odenwald bildet mit Marcus Rau „Die fabelhaften Wartburg-Brothers“. Zusammen singen sie „Reformation ist immer“.

Suderburg. Die Suderburger St. Remigius-Kirche ist am Montagabend nicht wiederzuerkennen. Der Kirchenraum ist in buntes Scheinwerferlicht getaucht, und wo sonst die Gesangbücher bereitliegen, stehen nun Weingläser und Bierflaschen.

Rund 80 Zuhörer erleben am Vorabend des 500. Reformationsjubiläums ein Spektakel der besonderen Art: Pfarrer Ingmar Maybach aus dem Odenwald macht Kirchenkabarett.

Begleitet wird der Pfarrer mit der spitzen Zunge von Marcus Rau aus Bad Oldesloe. Zusammen treten die beiden mit Gitarre, Keyboard und Orgel als „Die fabelhaften Wartburg-Brothers“ auf.

„Was Luther begann, hat Springer vollendet“, beginnt Maybach sein Programm. Seit Luther gilt das Priestertum aller Gläubigen, aber erst seit der Schlagzeile „Wir sind Papst“ auch das Papsttum aller Deutschen.

Es darf herzlich gelacht und mitgesungen werden: Ingmar Maywald als Schlagerstar Ingmar Guildo Alexander mit dicker Brille.

Auf humorvolle Weise erfahren die Zuhörer von den Nöten eines Pfarrers, etwa beim Abfassen einer Predigt – vertont in einem „Predigtlied für Ernst Lange“ – oder beim Abhalten von Zielgruppengottesdiensten. Und sie lernen, dass ihm zwei Beerdigungen immer noch lieber sind als eine Trauung. Das Problem sind die Bräute mit ihren oft ganz eigenen Vorstellungen von ihrer Trauung, die dann kurzfristig abgesagt wird, weil das Brautkleid nicht zur Kirche passt.

Ob mit weißen Plüschohren als Braut oder als Schlagerstar Ingmar Guildo Alexander mit dicker Brille und Shownebel – der Funke springt in der St. Remigius-Kirche über, und das Publikum singt die Lieder begeistert mit.

Mit dem fetzigen Song „Reformation ist immer“ macht Maybach deutlich, dass er lieber den Beginn der nächsten 500 Jahre feiern möchte – als einen Mönch, der eine Kirchentür in Wittenberg perforiert hat. Der Schalksknecht aus dem Gleichnis im Matthäus-Evangelium (zu finden in Kap. 18, 21-34) mutiert bei ihm zum gierigen Bankmanager, der „auch noch im Winter Korn hatte“ und zum Schluss von Gott mit den Worten „Mach‘ dich vom Acker, Mann!“ verjagt wurde.

Der bundesweit erfolgreiche Kabarettist und Pfarrer Ingmar Maybach überzeugt auch das Suderburger Publikum mit seiner bundesweiten CSU, die für Christlich Satirische Unterhaltung steht, und zeigt, dass Kirche und Kabarett eine gelingende Einheit bilden können.

Von Katrin Becker

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