Verwaltung will sichergestellte Drahtesel versteigern oder an Ostfalia-Werkstatt übergeben

Letzte Frist für herrenlose Räder in Suderburg

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Mehr als hundert Fahrräder stehen derzeit am Suderburger Bahnhof – einige von ihnen sind herrenlos.

Suderburg. Es mutet wie ein Überbleibsel des Kunstprojekts „Land-Art“ an. An dem weinroten Damenfahrrad, das an ein Fallrohr am Bahnhofsgebäude in Suderburg gekettet ist, ranken Grünpflanzen empor.

Fast völlig mit Grünpflanzen überwuchert ist dieses Damenrad. Es wurde offenbar vor längerer Zeit am Bahnhof abgestellt.

Beide Reifen, der Gepäckträger und Teile des Rahmens sind überwuchert. Doch dabei handelt es sich nicht etwa um ein Kunstobjekt, sondern um ein herrenloses Fahrrad, das schon seit langem am Bahnhof steht. Dort hat sich die Situation wieder verschärft. Mehr als hundert Drahtesel sind derzeit vor und neben dem Suderburger Bahnhof abgestellt. Einige von ihnen werden täglich von Pendlern genutzt, andere wurden jedoch offenbar entsorgt. Darauf deuten fehlende Sattel, platte Reifen und verrostete Ketten hin. Bereits Anfang des Jahres hatte die Samtgemeinde Suderburg versucht, die Fahrradflut mit dem Verteilen von Hinweiszetteln einzudämmen (AZ berichtete). Doch die schriftliche Ankündigung, die Räder ab dem 1. März als herrenlose Gegenstände sicherzustellen, brachte keinen nachhaltigen Erfolg.

„Unser Bauhof hat im Frühjahr etwa 30 Fahrräder eingesammelt und in einem Schuppen eingelagert“, sagt Britta Wendland, Sachbearbeiterin im Samtgemeinde-Fundbüro. Lediglich zwei Studenten hätten sich ihre Räder wieder abgeholt, die übrigen Drahtesel seien noch in Verwahrung.

Die Verwaltung hebe die Räder mindestens ein halbes Jahr auf. Diese Frist ende demnächst. „Sollten sich die Eigentümer bis dahin nicht melden, werden wir einige herrenlose Räder der Fahrradwerkstatt der Ostfalia-Hochschule übergeben“, kündigt Wendland an. Die restlichen würden auf dem nächsten Suderburger Gewerbetag im Jahr 2017 versteigert. Kosten verursache die Einlagerung der Räder aber nicht, denn der Schuppen gehöre der Samtgemeinde.

Diese will die Hinweiszettel-Aktion im November wiederholen, erklärt Wendland. Dann werde den Eigentümern erneut eine Frist gesetzt, nach deren Ablauf der Bauhof zur Tat schreiten werde. Im Visier seien diejenigen Räder, die aussehen, als seien sie längere Zeit nicht bewegt worden.

Aber warum lässt jemand sein Zweirad monatelang am Bahnhof stehen, bis es von Grünpflanzen überwuchert ist? „Manchmal werden die Räder einfach vergessen“, meint Wendland. Viele von ihnen gehörten Ostfalia-Studenten. Wenn diese beispielsweise ein längeres Praktikum im Ausland absolvierten, gerate das abgestellte Rad am Suderburger Bahnhof in Vergessenheit, hat die Sachbearbeiterin von Studenten erfahren.

Eigentümer, deren Fahrräder die Samtgemeinde sichergestellt hat, können sich bei Britta Wendland unter Telefon (0 58 26) 9 80 20 melden.

Von Bernd Schossadowski

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