Lehmbau am Schafstall

Lehmbau mit Stroh machte den Studenten Spaß.

Hösseringen - Von Jürgen Köhler-Götze. Seit 15 Jahren steht für die Studenten am Institut für Tropenwasserwirtschaft an der Ostfalia-Hochschule ein Modul auf dem Lehrplan. Sie müssen lernen, umweltschonend zu bauen. Und das heißt für die Weltecken, in denen sie später einmal arbeiten werden, dass sie mit Lehm bauen müssen. Eine Technik, die hierzulande schon beinahe ausgestorben war, wie Hans Baumann-Rivadeneira sich erinnert.

„Das ist erst in den 70er und 80er Jahren mit der Öko-Bewegung wiederbelebt worden“, weiß der Dozent für Lehmbau. In der Dritten Welt sei die traditionelle Bauweise nie in Vergessenheit geraten. In Deutschland waren die Mehrheit der Bauten vor dem Ersten Weltkrieg Lehmbauten, allerdings häufig mit Ziegeln verblendet, denn Lehmbau galt nicht unbedingt als repräsentativ. „Gehen Sie mal davon aus“, sagt der Dozent, „dass alles, was nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gebaut wurde, nicht mehr Lehmbau war.“ Mit einer großen Ausnahme: „In der DDR sind noch rund 200 000 Lehmbauhäuser errichtet worden. Das Material war halt billig und überall verfügbar.“ Und haltbar. Die Nachkriegsbauten im Westen bröckelten wegen des minderwertigen Materials schnell vor sich hin. Von den Lehmbauten in der DDR stehen immer noch viele.

Wie fast alle seine Studenten, ist auch Baumann-Rivadeneira nicht in Deutschland zu Hause. Er lebt in San Miguel de Tucuman in Argentinien, arbeitet aber fast auf der ganzen Welt und kommt immer wieder gerne nach Suderburg. Seine Studenten, die im Hösseringer Museumsdorf an einem alten Schafstall die Ausfachung in Lehmbauweise üben, kommen aus sechs Nationen. Nicaragua, Bolivien, Ägypten, Miramar, Nepal und aus dem „Freistaat Sachsen“, wie einer der Studenten augenzwinkernd und im unverkennbaren Dialekt erklärt.

Und zumindest die Studenten aus der Dritten Welt haben auch schon eine ganz praktische Verwendung vor Augen für das, was sie in Hösseringen lernen. Häufig sind es die Elternhäuser, die ausgebessert oder vergrößert werden sollen. Eine Technik, die sie hier lernen, kannten sie allerdings noch nicht. Sie fachen mit gedrehtem Langstroh aus, das vorher ordentlich mit Lehm verknetet wurde und nach dem Einflechten nochmals mit einer Lehmschicht bestrichen wird. Die Technik kennt auch Baumann-Rivadeneira ausschließlich aus der Heideregion.

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