Suderburger Studenten über Wohnen auf dem Land / Weitere Zimmer geplant

Wo das Leben spielt

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Hier soll Wohnraum für Studenten entstehen: Unweit der Ostfalia Hochschule in Suderburg wird fleißig gebaut.

Suderburg. Wenn Silja Meynberg eine Studentenparty besucht, will sie nachts nicht erst in den Zug steigen, um wieder in ihre eigenen vier Wände zu kommen. Sie will dort wohnen, wo sich das studentische Leben abspielt – in Suderburg.

Mit dieser Ansicht steht die 23-Jährige aus Lübeck offensichtlich nicht allein: „Es gibt noch einen Restbedarf an Wohnungen“, meint Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz.

116 Erstsemester und neue Masterstudenten hat die Ostfalia gerade begrüßt. Schulz rechnet mit zirca 50 bis 70 Studierenden, die aus den umliegenden Orten näher an den Campus der Ostfalia-Hochschule heranziehen wollten. „Sie finden in Suderburg keine freie Wohnung – es ist alles belegt.“

Sie wollen dort wohnen, wo das Leben spielt, sagen viele Studenten der Ostfalia Hochschule. Für einige ist damit die Großstadt gemeint, andere wiederum genießen das Miteinander in Suderburg.

Aufgefangen werden könnte dieser Bedarf durch zwei Bauprojekte im Ort. So errichtet derzeit ein privater Investor in der Straße In den Twieten gegenüber dem Restaurant „Luther´s Carpe Diem“ ein Wohnheim mit zwölf Zimmern, die spätestens zum Wintersemester bezugsfähig sein sollten. Der Neubau werde seniorengerecht gestaltet, erklärt Schulz, „falls die Auslastung mit Studierenden nicht zu 100 Prozent gelingt.“ Ein weiterer privater Investor habe eine Baugenehmigung beantragt, um ein ehemaliges Möbelgeschäft an der Bahnhofstraße für Wohnzwecke umzubauen. Schulz: „Damit wäre der vermeintliche Bedarf erst einmal abgedeckt.“

Oder ist er das schon jetzt? „Zimmer sind genug da“, sagt Dieter Schwutke, Inhaber des Studentenheimes „Bauer Schwutkes Studentenburg“. Das Angebot sei größer geworden. Deshalb habe er seine Zimmer in diesem Jahr erst spät vermieten können. Viele Studenten, vermutet er, ziehe es in die größeren Städte wie Celle oder Hannover. „Dorthin, wo mehr Leben spielt.“

Eine große Stadt kommt nicht in Frage, sagt Inga Schubert. Die 21-Jährige ist für ihr Studium aus Stadthagen nach Räber gezogen. „Es gibt ja hier auch Freizeitangebote – nicht so viele wie in der Großstadt, aber dafür ist man eher mit den Leuten zusammen.“ Und dann fällt ihr noch etwas ein: „Ein Drogeriemarkt fehlt. Wenn man für ein Shampoo nach Hannover oder Uelzen fahren muss, ist das schon irgendwie nervig.“

Sie und ihre Freundin Silja Meynberg kennen viele Pendler, die an der Ostfalia studierten. „Die sagen halt definitiv, hier ist zu wenig los.“

„Dorf kommt gar nicht in Frage“, dachte auch Rebecca Clemens, als sie 2012 das Studium der Sozialen Arbeit aufnahm – und dann kam doch alles anders: Aus Hamburg zog es sie mit Zwischenstop in Uelzen – „weil der Kulturschock doch ein bisschen krass gewesen wäre“ – nach Suderburg. Das sei praktischer, meint die 23-Jährige aus Nordrhein-Westfalen. „Und wenn man hier direkt vor Ort wohnt, ist man integrierter.“ Klar, ein Schwimmbad wäre „cool“, ein paar mehr Cafés vielleicht auch, aber: „Wenn man sich für ein Dorf entscheidet, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es ein Dorf ist.“

„Ja, das finde ich auch“, pflichtet ihr ein Kommilitone bei, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er hat erst kürzlich ein Zimmer in einem Suderburger Studentenwohnheim bezogen. Preiswert sollte es sein und nicht zu klein. Ob auch Uelzen in Frage kam? Er schüttelt den Kopf und lacht: „Wenn ich schon umziehe, kann ich auch dahin gehen, wo ich studiere.“