Hösseringer Haus am Landtagsplatz schließt nach 35 Jahren / Sperrungen kosteten viele Gäste

„Das Leben geht weiter“

Nach 35 Jahren im Haus am Landtagsplatz ist Schluss. Jochen, Helmut und Henning Gerken (von links) schließen ihr Gasthaus zum Oktober. „Im Sommer war mehr als genug Arbeit durch die Hochzeiten. Aber der Winter ist lang“, erzählt der Seniorchef.

Hösseringen. Die Wege sind sauber geharkt, auf dem saftig grünen Rasen arbeiten die Sprenger, und in der Küche blitzen die Kellen wie immer, aber es ist nur noch eine Akkuratesse auf Zeit.

Das Hösseringer Haus am Landtagsplatz, 35 Jahre in der Hand der Familie Gerken, schließt zum Oktober. Ob dort jemals wieder gegessen und gefeiert wird, ist ungewiss.

„Wir sind schon traurig“, sagt Seniorchef Helmut Gerken, der das reetgedeckte Bauernhaus direkt am Museumsdorf Hösseringen 1985 übernommen hat. „Das sind 35 Jahre. Die nagelt man nicht so einfach an die Wand. Jeder Baum ist von uns gepflanzt“, erzählt der 72-Jährige.

Im Jahr 2000 investierte Helmut Gerken in einen großen Anbau an das historische Bauernhaus von 1817.

Es ist nicht so, dass der Betrieb nicht gelaufen wäre. Im Gegenteil. Im Jahr 2000, als viele Landgasthöfe schon geschlossen hatten, nahm Gerken noch einmal richtig Geld in die Hand, für einen Anbau. Die Gäste kamen aus Hamburg, Hannover und Braunschweig. Das Haus am Landtagsplatz machte sich einen Namen für Hochzeiten. Gerken und seine beiden Zwillingssöhne servierten Heidschnucke und Wild aus der Region, das sie häufig sogar selbst geschossen hatten.

„Gastfreundschaft mitten in der Natur“, lautete der Slogan, doch die Lage war auch eine schwere Hypothek. „Im Sommer war mehr als genug Arbeit durch die Hochzeiten“, sagt Helmut Gerken. „Aber der Winter ist lang.“

Erreichbar ist das Gasthaus über eine einzige Zufahrt. Und dann kamen die Bauarbeiter. Erst wurde die Hösseringer Bauernstraße neu gestaltet. Dann kam die Erneuerung der Suderburger Ortsdurchfahrt, und schließlich war die B 4 dran.

„In die Insolvenz sind wir vor allem durch die Straßensanierungen gerutscht. Dadurch haben wir nachfinanzieren müssen“, sagt Jochen Gerken. „Alle unsere Stammgäste waren nicht mehr da. Die haben sich umorientiert.“ Zeitweise mussten die Stammgäste 80 Kilometer Umweg fahren. Sie kehrten auch nach Aufhebung der Sperrungen nicht mehr nach Hösseringen zurück.

Weitere Investitionen, etwa in zusätzliche Zimmer für die Hochzeitsgesellschaften, scheiterten auch an der schwierigen rechtlichen Situation. Die Familie hatte zwar die Gebäude erworben, das Grundstück besaß sie jedoch lediglich in Erbpacht. Das erschwerte die Finanzierung.

Im März meldeten die Gerkens Insolvenz an – in der Hoffnung, das Ruder noch herumreißen zu können. Bereits früher hatten sie die Dienste eines Gastro-Coaches in Anspruch genommen. Sie setzten neue Ideen um, etwa die Küchenparty. Am Ende hat alles nichts genutzt.

Nun geht es um einen geordneten Übergang. Die beiden Azubis haben bereits einen anderen Ausbildungsplatz, Jochen und Henning Gerken, beide 44, werden einen neuen Arbeitsplatz in der Gastronomie finden, ist Jochen Gerken überzeugt: „Eine Tür geht zu, eine Tür geht auf. Das Leben geht weiter.“

Von Gerhard Sternitzke

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