Der Balanceakt

Kreis Uelzen: Berufstätige Mutter berichtet, was Homeoffice für Eltern bedeutet

Der dreijährige Tim aus dem Uelzener Südkreis ist seit der Schließung der Schulen und Kitas nur noch allein unterwegs. Ihm fehle der Kontakt zu Gleichaltrigen, sagt seine Mutter Melanie Schmidt.
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Der dreijährige Tim aus dem Uelzener Südkreis ist seit der Schließung der Schulen und Kitas nur noch allein unterwegs. Ihm fehle der Kontakt zu Gleichaltrigen, sagt seine Mutter Melanie Schmidt.

Aue/Rosche/Suderburg – „Seitdem die Kitas geschlossen sind, ist nichts mehr wie es war.“ Das sagt Melanie Schmidt aus dem Uelzener Südkreis (Namen sind von der Redaktion geändert), die Mutter eines dreijährigen Sohnes ist und normalerweise 24 Stunden pro Woche im Büro arbeitet.

Seit der vergangenen Woche befindet die Angestellte sich im Homeoffice – „zwischen Windeln wechseln und Berechnungen“, wie sie selbst es beschreibt. Die Corona-Krise bringt Familien wie die Schmidts an die Grenze des Leistbaren.

Man sollte eigentlich froh sein, dass es für viele Menschen diese Möglichkeit gibt, sagt Melanie Schmidt. „Doch es ist nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Vormittags komme sie fast gar nicht zum Arbeiten. Der Haushalt laufe weiter und das Kind müsse auch versorgt werden. „Ich kann meinen Sohn mal für eine halbe oder ganze Stunde vor dem TV parken, aber das war es dann auch.“

Die Großeltern können nicht aushelfen. „Man soll ja die Kontakte vermeiden und aufgrund des Alters gehören sie außerdem zur Risikogruppe.“ Verbindung halte man untereinander größtenteils über Videochats.

Dem kleinen Tim fehle der Kindergarten sehr, der Kontakt zu Gleichaltrigen. „Er merkt wohl auch, dass etwas anders ist“, deutet die Mutter des Jungen sein Verhalten. „Er giert förmlich nach Aufmerksamkeit.“

Ehemann und Vater Dennis Schmidt kommt nachmittags von der Arbeit nach Hause. Doch inzwischen nicht mehr direkt, wie Melanie Schmidt berichtet. „Vorher muss mein Mann noch mindestens drei Supermärkte anfahren, um ein paar alltägliche Dinge zu besorgen. Dank der tollen Hamsterkäufer.“ Dazu gehöre auch die Milch für Tim und natürlich Toilettenpapier.

Deshalb könne sie oft erst am späten Nachmittag richtig anfangen zu arbeiten. „Ich muss mich dann noch auf wichtige Dinge konzentrieren, bin aber meistens kaum noch aufnahmefähig.“ Und doch müsse die Arbeit getan werden: „Es ist ein Balanceakt.“

Auch das Damoklesschwert der Kurzarbeit schwebe über der Familie. Die Firma, in der Dennis Schmidt arbeitet, habe die Leistung der Agentur für Arbeit beantragt – auch wenn noch nicht sicher sei, ob alle Abteilungen betroffen sein werden.

„Wir würden das mit einigen Einschränkungen wohl finanziell hinbekommen“, sagt Melanie Schmidt, fügt aber noch hinzu: „Ich mache mir aber wirklich Gedanken, wo das alles noch hinführen soll.“

VON ANDREAS URHAHN

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