Kreis-Umweltausschuss lehnt schärfere Regeln im oberen Gerdautal ab / Entscheidung am 6. Juni

Klares Nein zum Naturschutzgebiet

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Eimkes Bürgermeister Dirk-Walter Amtsfeld (links) und sein Stellvertreter Jürgen Holst genießen die Idylle der Gerdau. Nach dem Willen des Kreis-Umweltausschusses soll das obere Gerdautal Landschaftsschutzgebiet bleiben.

Eimke/Uelzen. Eine überraschende Wende hat die vom Landkreis geplante Ausweisung eines Naturschutzgebiets im oberen Gerdautal genommen. Mit großer Mehrheit hat sich der Umweltausschuss des Kreises jetzt gegen dieses Vorhaben ausgesprochen.

Nur Martin Feller (Grüne) stimmte dafür, während Udo Hinrichs (CDU) sich enthielt. Die Entscheidung darüber fällt am Dienstag, 6. Juni, der nichtöffentliche Kreisausschuss.

Auf der Ausschuss-Sitzung hoben Dezernent Frank Peters und Umweltamtsleiter Alexander Krüger hervor, warum das Naturschutzgebiet aus ihrer Sicht notwendig ist. Der Landkreis sei von der EU rechtlich verpflichtet worden, die Flächen an der oberen Gerdau, die seit 1975 Landschaftsschutzgebiet sind, zu sichern. Dort gelte es, Wälder, Moore und das Fließgewässer sowie seltene Tierarten wie Fluss-perlmuschel und Fischotter zu schützen. Das Betreten der Bereiche außerhalb der Wege und das Befahren der Gerdau, etwa mit Kanus, sollen mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes verboten werden.

Doch diese Einschränkungen – speziell für die Gemeinde Eimke – stießen im Ausschuss auf harsche Kritik. „Das führt zu weiterer EU-Verdrossenheit. Sie haben es nicht geschafft, die Bürger mitzunehmen. Hier ist das völlig schiefgelaufen“, sagte Hans-Heinrich Sackmann (CDU). Léonard Hyfing (FDP) brachte einen Antrag seiner Kreistagsfraktion ein. Demnach soll das obere Gerdautal Landschaftsschutzgebiet bleiben. „Die Einschränkungen in einem Naturschutzgebiet wären zu groß“, meinte er.

Dem schloss sich Alfred Meyer (UWG) an. Er befürchtet eine Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität in Eimke, falls das Naturschutzgebiet kommen sollte. „Es ist falsch, das mit Verboten zu überziehen. Das wäre eine Ausweitung des Verwaltungsaufwandes in einem nicht notwendigen Maße“, sagte Meyer.

Auch Jörg Hillmer (CDU) forderte, die EU-Vorgaben nur „eins zu eins“ umzusetzen. „Wir sollten aber an keiner Stelle etwas oben draufsatteln.“ Denn das obere Gerdautal sei in einem guten Zustand.

Als einziges Ausschussmitglied sprach sich Martin Feller für das Naturschutzgebiet aus. „Wir haben ein dramatisches Insektensterben und einen dramatischen Vogelrückgang“, warnte der Grünen-Politiker. „Wir brauchen Lebensräume für bedrohte Arten.“

Einen Kompromiss schlug Erster Kreisrat Uwe Liestmann vor. Der Landkreis könnte sich vorstellen, dass nur der nördliche Teil des oberen Gerdautals unter Naturschutz gestellt wird, die Flächen südlich der Eimker Kläranlage aber Landschaftsschutzgebiet bleiben. Doch auch das lehnte der Ausschuss mehrheitlich ab. Stattdessen wurde der FDP-Antrag angenommen.

Zufrieden war Eimkes Bürgermeister Dirk-Walter Amtsfeld. „Ich bin dankbar, dass man unsere Nöte und Sorgen ernstgenommen hat“, sagte er im AZ-Gespräch. „Ich bin guter Hoffnung, dass der Kreisausschuss dem so zustimmt.“

Von Bernd Schossadowski

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