Ab 2023 werden die Mittel gekürzt / Stellenbesetzung über Flächenfaktor

Kirche streicht Stellen

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Darauf, dass die Stellenkürzungen alternativlos seien, wies Pastor Florian Moitje hin. 

Gerdau. Die evangelisch-lutherische Kirche im Kirchenkreis Uelzen steht vor einer kleinen Revolution. Der Kirchenkreistag beschloss auf seiner Tagung am Mittwoch die Einführung eines Flächenfaktors für die Berechnung der Pfarrstellen, der ab sofort bei Neubesetzungen gilt.

Der Hintergrund: Die Landeskirche kürzt ab 2023 die Mittel. Und der Kirchenkreis Uelzen kann dann nur noch Geld für 20 Stellen bereit halten. Das sind Zweieinviertel Stellen weniger als heute.

Wurde bisher nur die Gemeindegliederzahl als Richtschnur für die Ausstattung mit Stellen herangezogen, fließen zukünftig 20 Prozent der Gemeindefläche als Faktor in die Bewertung ein. Damit will der Kirchenkreis der kirchlichen Versorgung auf dem Land gerecht werden, sind hier die Wege für die Pastoren doch länger und ist der Aufwand größer. Vorbilder für eine solche Lösung finden sich etwa in Braunschweig.

Für die Regionen Mitte, West und Nord des Kirchenkreises sind damit ab 2023 Stellenverluste programmiert. So muss das Stadtgebiet Uelzen mit dem Verlust von 1,5 Stellen rechnen. Hier macht sich der Zukunftsausschuss der Kirche bereits Gedanken über ein zentrales Pfarramt. Denn wahrscheinlich nur noch fünf Pastoren werden dann für die sechs Gemeinden Uelzens zuständig sein.

Die Region West wird eine Viertelstelle verlieren. Und in der Region Nord, zu der auch die Gemeinden Bienenbüttel, Wichmannsburg und Altenmedingen gehören, greift die neue Regel sogar schon vorher. Pastor Jürgen Bade aus Bienenbüttel geht im Herbst 2018 in den Ruhestand, Pastor Tobias Heyden beendet im Februar 2019 seine Probejahre. Statt zwei Stellen soll es für Bienenbüttel und Wichmannsburg den Plänen nach langfristig nur noch 1,5 Stellen geben. Bis 2022 bleiben indes rechnerisch zwei Stellen erhalten. Eine halbe „Springer“-Stelle auf Kirchenkreisebene wird dann ab 2023 mit anderen Aufgaben betraut.

Pastor Florian Moitje, der den mit großer Mehrheit – und längerer Debatte – beschlossenen Antrag des Zukunftsausschusses den Kirchenkreistagsmitgliedern vorstellte, wies daraufhin, dass die geplanten Kürzungen bei den Pfarrstellen praktisch alternativlos seien. Bereits heute schießt der Kirchenkreis aus Rücklagen bis zu 365 000 Euro bei den Personalkosten dazu. Auch, um eine sichere Planungsgrundlage für die Zeit nach 2022 zu entwickeln. „Wir brauchen Entscheidungen, sonst ist das Geld alle und wir haben die Strukturen nicht geändert“, sagte Moitje der AZ. Ziel sei es, „moderat zu kürzen und nicht zu hohe Kürzungen auf dem Land zu haben“, sagte Moitje.

Nicht frustriert, sondern weiter motiviert: Propst Jörg Hagen betonte, dass Uelzen von der Landeskirche stets gut bedacht werde.

Propst Jörg Hagen, der unterstrich, dass Uelzen als Mittelzentrum bei den Überweisungen der Landeskirche stets auch Vorteile habe, würdigte am Mittwoch in seinem Bericht zu den Kirchenvorsteherwahlen vom Sonntag das organisatorische Engagement der Gemeindemitglieder. Er bedauerte die mit 17 Prozent geringe Wahlbeteiligung, wies aber daraufhin, dass der Kirchenkreis damit zwei Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt liege. „Ein Riesen-Dankeschön an alle, die sich beteiligt haben“, sagte der Propst. Aber auch: „So gut die Organisation, so durchwachsen die Ergebnisse.“ Hagen betonte aber, dass man nicht frustriert, sondern motiviert an die Arbeit gehe.

Von Christian Holzgreve

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