Ignatz zerpflückt Auguste

Windmühle im Suhlendorfer Museum muss nach Sturmschaden saniert werden

Christian Niemann steht vor der beschädigten Windmühle Auguste
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Christian Niemann, Vorsitzender des Museumsvereins Suhlendorf, hofft, dass die Schäden an der Windmühle „Auguste“ bald behoben werden können. Im Sturm lösten sich Bretter und ein Mühlenflügel wurde verbogen.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Sie ist 211 Jahre alt, hat einen Blitzschlag, schleichenden Verfall, den Transport an einen neuen Standort und später eine umfassende Renovierung erlebt. Die Rede ist von der historischen Bockwindmühle „Auguste“ im Handwerksmuseum Suhlendorf. Doch jetzt muss das hölzerne Aushängeschild erneut saniert werden. 

Suhlendorf - Der Sturm „Ignatz“, der am 21. Oktober über die Region gefegt ist (AZ berichtete), hat die Mühle beschädigt. Am Flügel links oben wurde ein Teil der Holzverkleidung abgerissen. Außerdem wurde der Mühlenflügel rechts unten verbogen. „Er steht nicht mehr im rechten Winkel. Die Verankerung in der Mitte der Flügel wurde durch den Sturm in Mitleidenschaft gezogen“, schildert Christian Niemann, Vorsitzender des Museumsvereins. Auch in den anderen Flügeln seien einige Bretter locker. „Da muss eindeutig etwas gemacht werden“, betont Niemann im AZ-Gespräch.

Der Verein hat inzwischen einen Zimmermeister beauftragt, einen Kostenvoranschlag für die Reparatur zu erstellen. Noch liegt dieser aber nicht vor. Zum Glück sei die Mühle versichert, sodass der Schaden auf diesem Weg reguliert werden könne, sagt der Vorsitzende. „Wir haben ihn bereits der Versicherung gemeldet.“ Sollte die Entschädigungszahlung zur Deckung der Rechnungen nicht ausreichen, erhofft sich Niemann einen Kostenzuschuss seitens der Gemeinde Suhlendorf für die Reparatur der Mühle. Der Verein sei bereit, einen Eigenanteil zu erbringen.

Geschichte der Mühle

Die Bockwindmühle im Handwerksmuseum Suhlendorf wurde 1810 in Alvesse (heute Landkreis Peine) erbaut und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts modernisiert. Bis zu einem Blitzschlag in ihre Flügel 1944 blieb sie in Betrieb. Nach jahrelangem Zerfall wurde sie 1973 abgetragen und zwei Jahre später auf dem Gelände des Suhlendorfer Museums wieder aufgebaut. Dieses befindet sich seit 2008 in der Trägerschaft des ehrenamtlichen Museumsvereins. Benannt wurde „Auguste“ nach der Frau des ersten Müllers.

Niemann wünscht sich, dass die Schäden möglichst rasch behoben werden. „Bis zum Saisonbeginn, der für den 27. März 2022 geplant ist, muss das spätestens fertig sein“, sagt er. Denn „Auguste“ sei bei den Besuchern des Handwerksmuseums sehr beliebt. „Bei Vorführungen bilden sich immer lange Schlangen vor der Treppe der Mühle“, berichtet er. Zwar werde das Mühlrad nicht mehr durch die Flügel angetrieben, sondern durch einen Elektromotor. Aber wenn der Strom eingeschaltet und das Rad in Bewegung gesetzt werde, sorge das für staunende Blicke.

Während die Sanierung von „Auguste“ bis zum Frühjahr 2022 erfolgen soll, möchte der Museumsverein ein weiteres Vorhaben in den nächsten Jahren realisieren: Auf einer Fläche neben der alten Schmiede soll ein neues Gebäude für den Stellmacher gebaut werden. Dessen Arbeitsgeräte, darunter eine alte Drechselmaschine, sind derzeit im Hauptgebäude des Museums ausgestellt. Dort sind die Verhältnisse aber recht beengt. Die Exponate von Stellmacher, Schneiderin, Sattler und Polster teilen sich den Raum auf wenigen Quadratmetern.

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