Nahwärmenetz in Bohlsen geht in Betrieb / Mobiler Ofen wird 2018 durch Dinkelspelzen-Heizung ersetzt

Heißes Wasser für die ersten Häuser

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Der Vorsitzende der Bürger-Energie Bohlsen, Jürgen Winter (2. von rechts), seine Stellvertreterin Sarah Schulz, der technische Berater Lutz Jacob (links) und Vorstandsmitglied Manfred Völker mit dem mobilen Ofen, der bis auf Weiteres die Wärme erzeugt. 

Bohlsen. Lange kann Jürgen Winter, Vorsitzender der Genossenschaft Bürger-Energie Bohlsen (BEB), den Kunststoffschlauch nicht mit seiner Hand umschließen. Denn trotz Isolierung ist dieser ganz schön heiß.

Darin strömt bis zu 85 Grad warmes Wasser aus einem mobilen Heizkraftwerk in das Nahwärmenetz, das in den vergangenen Monaten in Bohlsen verlegt wurde (AZ berichtete). Jetzt ist es soweit: In dieser Woche sind die ersten Häuser in Bohlsen an die alternative Wärmeversorgung angeschlossen worden.

So sehen die Wärmetauscher in den Häusern aus.

„Wir haben zurzeit 77 Abnehmer und würden uns freuen, wenn wir mindestens 80 bekommen würden“, sagt Winter. Somit werden bald mehr als 40 Prozent der Häuser im Ort mit Nahwärme für Heizung und Gebrauchswasser versorgt und damit unabhängig von Öl und Gas sein. Alle Haushalte haben einen Vertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Transportiert wird das heiße Wasser über unterirdische Schläuche in Kunststoff- und Stahlrohren, die sich in einer Gesamtlänge von etwa 4,8 Kilometern durch das Dorf schlängeln.

Über diese Leitungen wird das heiße Wasser in das unterirdische Wärmenetz eingespeist. Es ist etwa 4,8 Kilometer lang.

Eigentlich sollte dazu eine Heizzentrale mit Wärmespeicher auf dem Gelände der Bohlsener Mühle betrieben werden. In deren Ofen sollten Dinkelspelzen verbrannt werden, die von der Mühle geliefert werden. „Aber für diese Heizzentrale stehen noch mehrere Genehmigungen durch die Behörden aus“, erklärt Winter. Bis diese erteilt sind, behilft sich die BEB mit einem mobilen Ofen, der auf dem landwirtschaftlichen Hof von Winter steht. Der Vorsitzende hofft, dass die Dinkelspelzen-Heizzentrale auf dem Mühlengelände bis zum Sommer 2018 in Betrieb gehen kann – ebenso wie das gesamte Nahwärmenetz.

Die Gesamtkosten für das Vorhaben der BEB betragen rund 1,9 Millionen Euro. Etwa 40 Prozent davon werden aus Fördermitteln von Bund und Land finanziert. Hinzu kommen die Genossenschaftsanteile der beteiligten Bürger im Ort sowie Kredite von Banken.

Der erste Anschlussnehmer in Bohlsen ist Eberhard Eichenbrenner. „Es läuft“, sagt er und zeigt zufrieden auf den Wärmetauscher in seinem Keller. „Hauptsächlich will ich vom Öl wegkommen. Das Projekt ist eine Supersache, und man unterstützt damit die eigene Region.“

Winter freut sich, dass es der BEB gelungen ist, die ersten Häuser noch vor Weihnachten anzuschließen. „Die Zielmarke, 2017 in Betrieb zu gehen, haben wir erreicht“, sagt er. Und es geht weiter. Bislang verlaufen die Rohre nur im Bereich westlich der Gerdau. Ab der zweiten Januar-Woche ist auch das östliche Dorfgebiet an der Reihe. Das hängt jedoch vom Wetter ab. Denn bei Frost können die Leitungen nicht verlegt werden.

Die Resonanz der Bohlsener sei äußerst positiv, schildert Lutz Jacob, technischer Berater der BEB. „Die Anlieger sind sehr zufrieden und haben sich bei den Bauarbeitern mit Kaffee, Kuchen und Plätzchen bedankt. Es ist ein sehr gutes Verhältnis.“

Von Bernd Schossadowski

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