Dr. Ulrich Schröder erzählt und singt im historischen Speicher Bohlsen

Heimatkunde in Reimen

Dr. Ulrich Schröder verbrachte in Bohlsen seine Kindheit. Das Wendland ist seine Wahlheimat. Beides findet sich in seinen Reimen wieder, die er am Freitag in Bohlsen vortrug.
+
Dr. Ulrich Schröder verbrachte in Bohlsen seine Kindheit. Das Wendland ist seine Wahlheimat. Beides findet sich in seinen Reimen wieder, die er am Freitag in Bohlsen vortrug.

Bohlsen. Einst stand er auf dem Timm’schen Hof in Bohlsen. Dann wurde er abgebaut, um im Museumsdorf Hösseringen aufgebaut zu werden. Doch dazu kam es nicht – und so wurden die Balken und Bretter des alten Speichers wieder zurücktransportiert.

Bohlser Bürger schlossen sich zusammen, um das Gebäude wieder aufzubauen. Seit Jahren betreibt der Verein Bohlser Speicher diesen „Kultur-Speicher“. Am vergangenen Freitag erzählt dort Dr. Ulrich Schröder Gedichte, kramt in Erinnerungen, die viel mit Bohlsen zu tun haben.

„Mein Vater kam aus Bohlsen, und auf dem Friedhof in Gerdau stehen die Grabsteine meiner Vorfahren.“ So verbindet Schröder die Sehnsuchtsorte seiner Kindheit – Bohlsen, Gerdau, den Häsebach, in dem er das Schwimmen lernte – mit dem Wendland, das ihm und seiner Frau Ute seit fast einem halben Jahrhundert Heimat ist. Und er bezieht Uelzen ein. Hier wurde er geboren, wuchs er auf, lernte an der Taubenstraße, in der Schule mit der „Einschüchterungs-Architektur“, das Lesen und Schreiben. Was wiederum die Leidenschaft Schröders ist.

In wohlgesetzten Worten, die manchmal erst im Nachhall zünden, lädt er im ersten Teil des Abends, der unter dem Titel „Gereimte Wendland-Historie und andere Gedichte“ steht, zu einem Rundgang durch „sein“ Wendland ein. Dabei geht er auf die Frage ein, was das Wendland eigentlich ist und warum Rundlinge eigentlich rund sind. Er begründet die These, dass die Wendländer eigentlich auf skandinavischem Boden stehen, mit den verschiedenen Eiszeiten, die die Landschaft formten und Steine und Geröll aus dem Norden mitbrachten. Die Moral der Wendländer ist ihm ebenso gereimte Zeilen wert wie das „Erkundungsbergwerk“ bei Gorleben: „Denn mit dem Abfall steht es so: Noch immer fehlt dafür das Klo.“

Im zweiten Teil greift Schröder häufiger zur Gitarre – hat er doch viele Gedichte vertont. Er singt von der alten Uhr, vor der er mit dem Enkel auf dem Arm steht und die Zeit vorüberziehen sieht. Die Liebe, natürlich, und Nachdenkliches über das Älter- und das Altwerden, Lieder von vergangenen Zeiten. Er singt vom Reisen mit dem Tandem, auf dem er mit seiner Frau Deutschland und Europa kennenlernt: „Wir fahren weiter, zum nächsten Dort, zur nächsten Stadt, auf breiten Wegen und auf schmalem Pfad.“

Gedichte, mal melancholisch, mal heiter, machen den Abend zu einem lyrisch-literarischen Hochgenuss. Es ist einfach nur schön, zuzuhören, wenn er wortgewandt die Wegwarte, den Weißdorn, die Espen, Fichten, Linden, Kopfweiden mit wenigen, sich reimenden Sätzen beschreibt.

Von Folkert Frels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare