Plattdüütsch-Frühschoppen war angesagt beim NDR-Dreh im Museumsdorf

„Hauptsache es ist ehrlich“

Der Countdown läuft: NDR-Moderator Ludger Abeln (Mitte) gab sich in Hösseringen entspannt und volksnah – nach der Sendung musste er noch Autogramme schreiben. Foto: Kohnke

Hösseringen. „Noch drei Minuten… noch zehn Sekunden…“ NDR-Moderator Ludger Abeln geht schnell noch einmal zur Theke und lässt sich vom Hausherrn Helmut Gerken ein Glas Wasser einschenken, „zum Gurgeln.

“ Dann geht die kleine rote Lampe an der Kamera auch schon an und der Dreh beginnt – live aus dem Haus am Landtagsplatz.

Rund 100 Gäste haben es sich hier im großen Saal gemütlich gemacht und sie heißen den blonden Fernsehmann mit großem Beifall willkommen – noch lauter aber wird das Klatschen, als Wilhelm Feuerharke, Chef der Plattsnackers ut Hössen, begrüßt wird. Es ist eingeladen zum „Plattdüütsch-Frühschoppen“ ins Gasthaus der Familie Gerken und in das benachbarte Museumsdorf und deshalb wird an diesem Sonntag Vormittag auch (fast) ausschließlich auf Platt kommuniziert beim gemütlichen Schnack am Kneipentisch.

Fachleute haben Ludger Abeln und Wilhelm Feuerharke auch mitgebracht: Henrik Schulte aus Allenbostel und Sabine Sigismund aus Schatensen als „plattschnackende“ Bürger, Maria Lembeck, Schulleiterin aus Westerweyhe als Plattdeutschbeauftragte der Region, und Heiko Frese, Koordinator für Plattdeutsch bei der Landesschulbehörde.

Von ihnen erfuhren die Gäste viel Wissenswertes über die alte Regionalsprache unserer Gegend. Dass wir uns hier zwischen dem hanseatischen Platt im Norden und dem Ostfälischen im Süden befinden beispielsweise – denn Platt ist schließlich nicht gleich Platt. Da gibt es jede Menge Unterschiede, mitunter sogar von Ort zu Ort. Aber „egal, was einer für ein Platt schnackt, Hauptsache es ist ehrlich“, meint Wilhelm Feuerharke.

Viele kleinere sprachliche Eigenheiten sind mit der Zeit in Vergessenheit geraten, aber dennoch liegt das Plattdeutsche derzeit im Trend. Der Kurs von Wilhelm Feuerharke an der Uelzener Volkshochschule hat Konjunktur und Heiko Frese kann bestätigen, dass Platt auch bei der Jugend angesagt ist. An seiner Lüneburger Schule werden Russisch, Französisch und Platt angeboten – und die meisten Schüler entscheiden sich bei ihrer zweiten „Fremdsprache“ für das Plattdeutsche.

Sabine Sigismund begann ihre plattdeutsche Familiengeschichte irgendwann mit einem Kinderbuch. „Ich hab meiner Tochter plattdeutsche Geschichten vorgelesen, um zu probieren, ob sie das versteht. Das ging auch gut, aber irgendwann fragte sie, wann ich denn wieder normal mit ihr rede.“ Um das Plattdeutsche auch im Alltag lebendig zu erhalten, probt sie jeden Tag mit ihrem Mann.

Henrik Schulte dagegen hat Platt eher so nebenbei erlernt. „Ich hab das als Kind immer mal gehört und später auch bei Arbeitskollegen“, erzählt er. Für die Sendung wurde er vom NDR-Team erst einmal per Telefon „gecastet“, schließlich sei der Anruf gekommen: „Sie sind dabei“. Und so sitzt er mit Ludger Abeln am Tisch, schnackt dit und dat und ein Bierchen gibt es auch dazu.

Von Christine Kohnke

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