Schlaganfall-Patient aus Holxen hat mit seinem Rollstuhl an Sponsorenlauf in Hamburg teilgenommen

Mit großem Willen zurück ins Leben

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Mit seinem Handbike trainiert Andreas Mücke derzeit für einen Inklusionslauf am 25. August in Berlin. Kürzlich ist der 48-Jährige mit dem Rollstuhl beim „HSH Nordbank Run“ in Hamburg gestartet.

Holxen. „Früher war ich ein Kerl wie ein Baum – und hinterher sitzt man im Rollstuhl und schaut nur aus dem Fenster“, sagt Andreas Mücke. Doch genau das kommt für den 48-Jährigen aus Holxen nicht infrage.

In den vergangenen acht Jahren hat er zwei Schlaganfälle erlitten. Doch mit eisernem Willen hat er sich zurück ins Leben gekämpft. Und nicht nur das: Kürzlich hat er am „HSH Nordbank Run“ in Hamburg teilgenommen und mit seinem Rollstuhl eine Strecke von vier Kilometer zurückgelegt.

Bis dahin war es aber ein weiter Weg. „Nach der Diagnose im Dezember 2017 – zweiter Schlaganfall – brach für mich eine Welt zusammen“, erzählt der gebürtige Berliner, der seit 1993 im Landkreis Uelzen lebt. Trotz einer zeitnahen Reha und vielen Anstrengungen ist Mücke seitdem an den Rollstuhl gebunden und trägt zur Stabilisierung Hand- und Fuß-Orthesen. Nur kurze Strecken kann er zu Fuß laufen.

Dabei war er als junger Mann topfit gewesen. „Ich habe früher Kraftsport gemacht und war 2002 deutscher Meister im Autopulling“, sagt er. Gerade mal 36 Sekunden brauchte er, um einen 1,5 Tonnen schweren Pkw über 100 Meter zu ziehen. Doch was er damals nicht wusste: Von Geburt an ist seine Halsschlagader zu eng. Auslöser für die Schlaganfälle war ein Verschluss der Ader.

Nach seinem zweiten Schlaganfall verbrachte Mücke dreieinhalb Monate in der Reha in Mecklenburg-Vorpommern. Dort lernte er Patienten kennen, die das gleiche Schicksal erlitten hatten. Mit ihnen freundete er sich an, schloss sich mit elf Gleichgesinnten in einer WhatsApp-Gruppe zusammen. Das Ziel war, gemeinsam am „HSH Nordbank Run“ teilzunehmen. „Wir haben uns gegenseitig motiviert und uns über unseren aktuellen Leistungsstand informiert“, sagt er.

Dreimal in der Woche hat Mücke in den vergangenen Monaten in einem Suderburger Gesundheits- und Rehazentrum trainiert. Zudem war er regelmäßig mit seinem Rollstuhl rund um Holxen unterwegs. „Man muss wieder in die Bewegung reinkommen und darf sich nicht hängen lassen“, betont Mücke, der über seine Leistung beim Lauf in Hamburg sehr stolz ist. Damit unterstützte er auch ein soziales Projekt, denn die Startgelder der fast 22 000 Teilnehmer und die Spenden der Sponsoren flossen an die Aktion „Kinder helfen Kindern“. So kamen mehr als 1,75 Millionen Euro zusammen.

Für Mücke soll es nicht der letzte Lauf gewesen sein. Zurzeit trainiert er für den fünf Kilometer langen SoVD-Inklusionslauf am 25. August auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin-Tempelhof, an dem er mit seinem Handbike teilnehmen wird. Und im September will er ebenfalls mit dem Handbike beim Zehn-Kilometer-Lauf auf Sylt starten. „Ich setzte mir immer neue Ziele, damit ich sportlich aktiv bleibe“, erklärt Mücke. Die größte Herausforderung wartet aber noch auf ihn. „Langfristig möchte ich selbstständig längere Strecken gehen“, sagt er. „Das ist ein schönes Fernziel.“

Von Bernd Schossadowski

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