Ein Blick hinter die Kulissen des Flugplatzes Barnsen: Zwischenstopp auf dem Weg nach Hamburg

Mit der Grille in die Luft

Bedrohliche Wolkenkulisse: Vom Tower aus wird das Wetter genau beobachtet und bei zu schlechter Sicht gibt es keine Lande- oder Starterlaubnis für die Piloten.

Barnsen. Der Weg führt vorbei an Schweineställen und kleinen Wäldchen am Wegesrand. Am Ende der schmalen Straße erwartet der Autofahrer eine Menge, aber sicher keinen Flugplatz. Doch nach zwei Linkskurven ist bereits die Landebahn zu sehen.

In der Nähe der Bahn steht der Tower. Es ist ein graues Gebäude und ähnelt mehr einer Lagerhalle. „Das Gelände gehört dem Landkreis. Unser Verein FSV Cumulus Uelzen bewirtschaftet das Terrain“, erläutert der zweite Vorsitzende Roland Mohr.

Zwei Zapfsäulen fallen dem Betrachter auf dem Flughafengelände gleich ins Auge. „Das ist kein Kerosin“, erklärt der Uelzener Mathis Lenz. Er kennt sich aus, hat er doch Flugzeugbau studiert. Bei den Inhalten der beiden Zapfsäulen handelt es sich um MoGas und AvGas. Kerosin werde nur von Flugzeugen verwendet, die Turbinen und Strahltriebwerke besitzen. Die Motorflugzeuge in Barnsen tanken MoGas oder AvGas. Die Preise schwanken momentan zwischen 1,90 und 2,55 Euro pro Liter. „Vor jedem Flugbetrieb wird der Tankinhalt kontrolliert, damit sicher gestellt ist, dass sich kein Wasser im Tank befindet“, schildert Lenz. Das Wasser kann im schlimmsten Fall bewirken, dass der Motor ausfällt. Eine Übung übrigens, die in den ersten Flugstunden simuliert wird, sagt Lenz. Denn auch ein Motorflugzeug ist auch dann noch flug- und landefähig. Doch zurück auf die Erde. Dort wird vor jedem Flug die Piste gecheckt. Und das sieht so aus: Der eingetragene Flugleiter steigt in einen alten VW Polo und fährt die Piste auf und ab. Der Auspuff röhrt durch die Stille des Platzes. „Unsere Fahrzeuge müssen keinen TÜV mehr haben“, sagt Lenz mit Blick auf den schrottreifen Wagen. Hinter dem Tower steht bereits sein möglicher Nachfolger – ein alter Mercedes. Die Fahrt mit dem Polo erfolgt vor jedem Start und jeder Landung. Schließlich könnten Nägel oder Schrauben auf der Piste liegen – und das wäre fatal.

Dann geht es ab auf den Tower. Eine kleine Wendeltreppe führt nach oben. Warm ist es dort, wenn die Sonne scheint. Im ersten Moment fällt vor allem die technische Ausrüstung ins Auge. Mit dem Funkgerät hält der Tower Kontakt mit dem Piloten. In der EDV werden alle Starts und Landungen registriert. Auf der digitalen Wetterstation erkennt der eingetragene Flugleiter – um im Tower zu sitzen ist eine Ausbildung notwendig – Wind, Niederschlag und Temperaturen.

„Gegenwind auf der Piste ist für den Start perfekt“, sagt Roland Mohr. Regen hingegen beeinflusst die Aerodynamik negativ. Unter dem Raum mit den technischen Geräten befindet sich der Schulungsraum. Im Erdgeschoss wird es gemütlich: Dort steht eine kleine Bar und eine gemütlich eingerichtete Sofa-Ecke. Auf der anderen Seite des Towers befindet sich eine kleine Werkstatt und eine große Halle mit den vereinseigenen Motorflugzeugen und Segelfliegern

Eigentlich herrscht am Flugplatz in Barnsen in der Woche kaum Betrieb. Am Wochenende sieht es anders aus. Denn dann trainiert der Verein auf dem Gelände und es kommen auch schon mal Besucher. Doch auch in der Woche kommt es vor, dass Maschinen starten und landen. Am vergangenen Mittwoch beispielsweise rief ein Flugloste aus Hamburg an, weil ein Ultraleichtflugzeug von Friedrichshafen weiter nach Hamburg wollte, aber aufgrund des Wetters zwischenlanden musste. Der nächste Flugplatz: Barnsen. In solchen Fällen gibt es die so genannte PPR (Prior Permission Required), auf Deutsch: „vorherige Genehmigung erforderlich“. Im Internet und in einem Flugbuch steht die Telefonnummer, die bei solchen Notfällen gewählt werden muss. Dort hatte der Fluglotse angerufen. Am anderen Ende der Leitung ist ein Vereinsmitglied, die Bereitschaften werden langfristig aufgeteilt. Zwei Stunden musste die Piloten in Barnsen warten, dann ging es weiter nach Hamburg. „Zur Not hätten sie auf einem Acker landen müssen“, sagt Mathias Lenz. In unserer Region kein Problem – im bergigen Bayern hingegen schon. Dort gibt es aber auch Karten für Notlandeplätze.

EDVU lautet die Kennung des Flugplatzes in Barnsen. „E steht für Europa, D für Deutschland,V für Hannover und U für Uelzen“, erläutert Lenz. Er ist so etwas wie der technische Experte am Barnser Flugplatz. Ein Beispiel seines Tüftelns steht ein paar Meter entfernt vom Tower – in den Hallen, wo die Privatflugzeuge untergebracht sind. Es handelt sich um das kleinste zweimotorige Flugzeug der Welt. „Cri-Cri“ heißt es, was aus dem Französischen übersetzt Grille bedeutet. „Es ist ein Bausatz“, sagt Lenz und setzt sich zu Demonstrationszwecken in den kleinen Flieger. Zwei kleinen Motoren treiben die Propeller an. Etwas eng wird es allerdings, findet Lenz selbst. Das Körpergewicht des Piloten entscheidet übrigens, wie viel Sprit getankt werden darf, denn das Gesamtgewicht muss der Pilot immer im Auge behalten. Im Hangar stehen aber noch mehr Flugzeuge und sogar Hubschrauber. Die meisten werden in Haltergemeinschaften geführt und haben somit mehrere Besitzer. Wer ins Flugzeug steigen will, muss natürlich einen Flugschein habe, aber auch gesund sein. Deshalb gibt es einen regelmäßigen Medizincheck, damit fast alle gesundheitlichen Risiken ausgeschlossen werden können. Hat ein Pilot beispielsweise Diabetes, ist er fluguntauglich.

Schraubt nicht zufällig gerade jemand an seinem Flugzeug oder wird eine Ultraleichtmaschine von Hamburg nach Barnsen nicht gerade zur Zwischenlandung gezwungen, dann herrscht andächtige Ruhe auf dem Gelände – bis der Motor des Polos aufheult und sein Auspuff über die Piste dröhnt. Denn dann dauert es nicht lange, bis ein Flugzeug entweder startet oder landet.

Von Jörn Nolting

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