Glut, Qualm und ein fruchtiger Hauch

Köhler Arne Paysen betreibt im Museumsdorf Hösseringen einen Meiler

Arne Paysen beginnt mit den Vorbereitungen für das Entzünden seines Meilers in Hösseringen. Am Sonntag wird dieser geöffnet und die Kohle herausgeschaufelt.
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Arne Paysen beginnt mit den Vorbereitungen für das Entzünden seines Meilers in Hösseringen. Am Sonntag wird dieser geöffnet und die Kohle herausgeschaufelt.

Hösseringen – Es qualmt nicht mehr. Erst war dem Meiler weißer Rauch entwichen, später wurde der Qualm grau, dann blau und schließlich farblos. Doch auch diese Phase ist vorbei, gestern schwelt es im Meiler nur noch. Arne Paysen legt seine Hand auf den Erdhügel.

„Das sind 35 bis 40 Grad – lauwarm, wie eine Wärmflasche“, sagt er und grinst. Paysen, seines Zeichens Köhler, hat am Sonntag begonnen, einen 1,60 Meter großen Kohlenmeiler im Museumsdorf Hösseringen anzuheizen.

Eigentlich ist der 40-jährige Denkmalpfleger beim Kreis Rendsburg-Eckernförde, daneben arbeitet er als freiberuflicher Restaurator. Doch die Köhlerei ist schon seit Jahren seine Leidenschaft. Geweckt wurde sie durch seine Doktorarbeit in Ur- und Frühgeschichte über die Brennholzversorgung im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. „Die Köhlerei war damals ein wichtiger Zwischenschritt“, erläutert Paysen.

Seit 2011 betreibt er jedes Jahr einen Meiler im Museumsdorf und öffnet diesen danach vor den Augen der Besucher. Zunächst baut Paysen einen Schacht aus Holzstücken auf. Rings herum stapelt er dann pyramidenförmig Holz, damit der Schacht nicht umkippt. Diesmal hat Paysen Buchen- und Eichenäste verwendet, die beim Freischneiden der Wege anfielen. Zum Schluss wird die Glut in den Schacht gefüllt. „Zwei Schaufeln reichen schon aus, um den Meiler anzuzünden. Spätestens nach einer halben Stunde schlagen oben die Flammen raus“, weiß Paysen. Um das Ganze zu bremsen, legt er Grassoden auf die Öffnung des Meilers. Sobald dieser keine Luft mehr hat, beginnt die Kohleproduktion.

Bei etwa 120 Grad setzt der chemische Zerfall des Holzes ein. Dann tritt Wasserdampf in Form von weißem Rauch aus. Später wird der Qualm grau und stinkt bestialisch – ein Zeichen, dass Essig freigesetzt wird. Ab rund 280 Grad entsteht blauer Rauch, dabei strömen verschiedene brennbare Gase aus. Zum Schluss entweicht Kohlenmonoxid, der Rauch wird farblos. „Anhand der Rauchfarbe kann man erkennen, ob der Meiler fertig ist“, erklärt der Köhler. Es gibt sogar Menschen, die das eigentlich geruchlose Kohlenmonoxid riechen können. Paysen ist einer von ihnen. „Das ist ein ganz eigentümlicher Geruch, ein leicht fruchtiger Hauch“, sagt er.

Am Sonntag wird der Meiler geöffnet und die Kohle herausgeschaufelt. „Aus etwa sechs Kubikmetern Holz entstehen 500 bis 600 Kilogramm Kohle. Keine schlechte Ausbeute“, findet Paysen. Sobald diese abgekühlt ist, können die Besucher sie im Museumsdorf kaufen.

Die ganze Zeit über beobachtet Paysen den Meiler. Er übernachtet in einem Pfadfinderzelt, das er in der Nähe aufgebaut hat. Genießt er die Stille auf dem Museumsgelände? „Von wegen“, sagt er und lacht. „Nachts ist es hier ganz schön laut: Hirsche röhren, Füchse bellen, Eulen und Käuze rufen.“ Vor zwei Jahren hat Paysen im Wald sogar Wolfsgeheul gehört. Aber das ist eine andere Geschichte.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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