Afrikanischer Alltag vor der Linse

Ghanaische Kinder fotografieren ihr Leben – zwei Suderburger Studentinnen machen es möglich

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Die Suderburger Ostfalia-Studentinnen Pia Politz und Carina Wille haben mehr als 40 Digitalkameras an ghanaische Kinder verteilt.

Suderburg/Benim. Ein junger Mann transportiert scheinbar mühelos einen Stapel Brennholz auf seinem Kopf. Eine Frau rührt mit einem großen Holzlöffel Reis in einem gusseisernen Topf um, während sie neugierig von einem Huhn beäugt wird.

Eine andere Frau zerteilt mit einem Messer eine gelbliche Frucht. Es sind Szenen wie diese, die Bewohner des ghanaischen Dorfes Benim mit Kameras festgehalten haben.

Das Schälen und Zubereiten von Früchten gehört zum Alltag dieser jungen Frau. Es ist eines von vielen Fotos der ghanaischen Kinder.

„Fotos von dir, Fotos von mir“ lautet der Name dieses sozialpädagogischen Projekts, das die beiden Suderburgerinnen Pia Politz und Carina Wille vor rund einem Monat in Ghana gestartet haben (AZ berichtete). Die beiden 22-Jährigen, die an der Ostfalia-Hochschule Soziale Arbeit studieren, haben gespendete Digitalkameras mitgebracht, mit denen die Menschen in dem westafrikanischen Land Fotos von ihrem Alltag machen und damit ganz persönliche Einblicke in ihr Leben geben.

In gusseisernen Töpfen wie diesem kochen die Bewohner des Dorfes Benim ihre Speisen – inmitten von Kindern und Hühnern.

Erste Anlaufstelle für die beiden Studentinnen war das Dorf Benim. „Wir haben über 40 Kameras an die Kinder verteilt. Dann hatten sie drei Tage Zeit, Fotos zu machen. Am Ende der Woche haben wir die Kameras wieder eingesammelt“, berichtet Carina Wille. Die Resonanz war überwältigend. „Die Kinder hatten unheimlichen Spaß am Fotografieren. Es hat wirklich viel Freude bereitet, das zu sehen“, schildert sie.

Mit schweren Ästen werden die Speisen kleingestampft.

Zunächst mussten die Suderburgerinnen den Kindern die Handhabung der Kameras erklären, denn viele von ihnen hatten so etwas noch nie gesehen. „Schon am ersten Tag kamen einige der Kinder zu uns, weil ihre Speicherkarten voll waren“, erzählt Carina Wille. Nach den drei Tagen ließen sie und Pia Politz die Bilder in der nächstgelegenen Stadt Kumasi, einer Metropole von mehr als zwei Millionen Einwohnern, auf Fotopapier ausdrucken. Am Tag darauf fuhren die beiden mit den Fotos zurück zu den Kindern nach Benim, um gemeinsam mit ihnen Fotoalben zu basteln – als Erinnerungsstücke an ihre Kindheit.

Wie selbstverständlich transportiert dieser Mann einen Stapel Brennholz auf seinem Kopf.

Bei den Ghanaern kommt das Fotoprojekt hervorragend an. „Die Einwohner sind begeistert. Viele der Eltern haben schon gefragt, ob wir nächs- tes Jahr wieder- kom men. Unser Projekt scheint ein voller Erfolg zu sein“, freut sich Carina Wille, die allen Spendern von Digitalkameras und Speicherkarten ausdrücklich dankt. In den kommenden Tagen sind die Ostfalia-Studentinnen in einem anderen ghanaischen Dorf unterwegs, um ihr Fotoprojekt weiterzuführen. Insgesamt sieben Wochen verbringen die beiden jungen Frauen in dem Land, im Oktober fliegen sie wieder zurück nach Deutschland. In Suderburg sollen die Fotos dann öffentlich ausgestellt werden. Nicht nur von der Herzlichkeit der Ghanaer, sondern auch von dem Land ist Carina Wille begeistert. Sie schickt allen AZ-Lesern „Grüße aus dem wunderschönen Ghana“.

Von Bernd Schossadowski

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