Gerdauer fordern Ende der Geruchsbelästigung / Betreiber baut Biogasanlage um

„Es hat gestunken wie Hulle“

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Der neue Rundfermenter der Biogasanlage von Bernd Meyer bei Groß Süstedt soll dafür sorgen, dass die Geruchsbelästigung in der Umgebung künftig eingedämmt wird.

Groß Süstedt. Irgendwann während der Bürgerversammlung in Gerdau platzte Hanna Barg der Kragen: „Das ist ja alles schön und gut, aber ich bin nachts aufgewacht, weil es so nach Gülle gerochen hat. “

Schon zwanzig Minuten referierte Professor Dr. Jörg Oldenburg über mögliche Havarie-Szenarien der Biogasanlage zwischen Groß Süstedt und Gerdau. Der Experte für Geruchsgutachten versicherte den zahlreich erschienenen Bürgern aus Gerdau, dass 97 Kubikmeter Biogas, die im schlimmsten Fall pro Stunde ungefiltert aus der Anlage strömen, gesundheitlich unbedenklich seien.

Das interessierte die Bewohner der Baugebiete Hofkoppel und „Hinter dem Kirchhofe“ aber wenig. „Sie waren nicht im August hier, als es nach Gülle gerochen hat“, entgegnete Brunhild Albert. Angelika Harnack wurde noch deutlicher: „Es hat gestunken wie Hulle!“ Am schlimmsten sei es diesen Sommer gewesen, am Morgen und in der Nacht, bei Westwind. Ein Anwohner berichtete: „Früh geht mein erster Blick aus dem Fenster in Richtung Windfahne, bevor ich das Fenster öffne.“

Zuletzt hatten sich die Fronten zwischen dem Betreiber der Anlage, Bernd Meyer, und den Anwohnern verhärtet. Der Konflikt gipfelte darin, dass dem Bauausschuss der Samtgemeinde Suderburg und der Gemeinde Gerdau eine Eingabe mit 80 Unterschriften der Anlieger vorgelegt wurde. Bernd Meyer findet es schade, dass die Betroffenen nicht das direkte Gespräch gesucht haben. „Nur ein- oder zweimal hat mich jemand angerufen.“

Parallel zu den aufkommenden Beschwerden hat er beim Bauausschuss schon 2013 einen Umbau seiner Anlage von Trocken- zu Flüssigfermentation beantragt, um die Produktivität zu steigern. Mittlerweile steht der neue Rundfermenter schon und wird mit Pflanzenabfällen befüllt. Wenn die Umstellung zu einem geschlossenen Gassystem stattfindet, soll die Geruchsbelästigung verschwinden, so Meyer.

Um eine Genehmigung zu erteilen, fehlen noch immer Gutachten, bestätigte Michael Alex vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg. Bürgermeister Stefan Kleuker schlug vor, sich noch einmal in vier Monaten zusammenzusetzen, wenn die Umstellung der Anlage stattgefunden hat. Er appellierte an das Gewerbeaufsichtsamt: „Ich wäre froh, wenn es schneller klappt. Wir wollen hier bald ein Baugebiet auslosen.“

Am Ende ging man auseinander mit dem Versprechen, sich bald wiederzusehen. Und nicht ohne eine Einladung von Ellinor Damm an den Experten für Geruchsgutachten und die Sachbearbeiter vom Gewerbeaufsichtsamt: „Besuchen Sie uns doch mal im Sommer. Bei Westwind.“

Von Sandra Hackenberg

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