„Wir müssen das Ding ausbauen“

Geothermie-Versuch auf dem Horstberg bei Dreilingen: Wissenschaftler haben Pech

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Geothermie-Projekt auf dem Horstberg bei Dreilingen.

Dreilingen – Ganze Erdzeitalter liegen unterm Heidesand bei Dreilingen begraben.

Folgt man in Gedanken dem Förderrohr der ehemaligen Erdgasbohrung auf dem Horstberg, dann durchquert man Quartär, Tertiär, Kreide, Lias, Keuper und Muschelkalk, bis man den Buntsandstein erreicht. Dort unten, in 3.800 Metern Tiefe, herrscht eine höllische Hitze von 148 Grad – eine Energiequelle, mit der man möglicherweise eine ganze Siedlung beheizen könnte. Um die Machbarkeit eines solchen Projekts geht es bei einem vierjährigen Projekt der Bundesanstalt für Geowissenschaften, das im kommenden Jahr ausläuft.

Das Prinzip ist schnell erklärt. Wasser wird in die Tiefe gepumpt, heizt sich dort auf und wird wieder nach oben gefördert. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn der Buntsandstein muss erst dazu gebracht werden, dass Wasser hindurchfließen kann.

Mit hohem Wasserdruck wurde das Gestein bei einem früheren Versuch aufgebrochen. „Dieser künstlich erzeugte Riss ist für uns der Wärmetauscher“, erklärt Projektleiter Dr. Torsten Tischner. Ziel des Versuchs war es zu ermitteln, wie groß diese Gesteinsfläche ist, die das Wasser aufheizt.

Allerdings hatten die Wissenschaftler Pech. „Wir haben technische Komplikationen“, räumt der Projektleiter ein. „Das innere Rohr hat Anzeichen, dass es nicht mehr dicht ist. Das bringt die Ergebnisse durcheinander.“ In dem inneren Rohr wird das Wasser in die Tiefe gepresst, im äußeren Mantel wird die heiße Flüssigkeit gefördert. Wie groß die Fläche des Risses im Gestein ist, lässt sich nur indirekt anhand der Temperatur ermitteln. Hinabsteigen und in den Riss kriechen kann niemand. „Um die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen, brauchen wir genauere Ergebnisse.“

30 Jahre alt ist das ehemalige Förderrohr, das die Bundesanstalt nutzt. Reparieren geht nicht mehr, betont Tischner. „Wir müssen das Ding ausbauen.“ Solch ein Förderstrang allerdings schlägt mit etwa zwei Millionen Euro zu Buche. Deshalb soll nun ein neuer Förderantrag gestellt werden. Das auslaufende Projekt wurde vom Bundeswirtschaftsministerium mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Fünf Mitarbeiter wurden dafür eingesellt, darunter zwei Geologen, ein Geochemiker und ein Ingenieur.

Eine Verlängerung hält Tischner für dringend notwendig. Das Forschungsprojekt sei einmalig, weil es zeige, wie Erdwärme in Norddeutschland im großen Stil genutzt werden könne, sei es in Form von Fernwärme oder umgewandelt in Strom.

Vom Aufsprengen des Gesteins, auch Fracking genannt, geht nach Tischners Auskunft keine Gefahr aus. Es werde nur Wasser eingesetzt. An der Oberfläche gebe es keine Erschütterungen. Werden mehrere Risse erzeugt, kann die Leistung deutlich erhöht werden. Bis zu 30 Jahre lang kann so eine Anlage eingesetzt werden. Dann ist das Gesteinsfeld ausgekühlt.

VON GERHARD STERNITZKE

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