Gerdauer Straße „In der Worth“ bleibt entwidmet / Mehrheit sieht keine Chance vor Gericht

Gemeinde verzichtet auf Revision

Anlieger frei? Der Besitzer des Hofes in Gerdau, über den die Straße „In der Worth“ führt, Stefan Kleuker, muss nicht mehr befürchten, dass die Gemeinde gegen das Urteil des Lüneburger Verwaltungsgerichtes Einspruch einlegt. Foto: Wendlandt

Gerdau. Der Rat der Gemeinde Gerdau wird keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Lüneburg einlegen. Mehrheitlich lehnten die Ratsmitglieder das Vorhaben ab. Damit bleibt es bei der Einziehung der Gemeindestraße „In der Worth“ in Gerdau.

Es sei denn, die Anwohner wollen Revision gegen das Urteil einlegen. Besitzer der Straße ist der Landwirt Stefan Kleuker, gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der CDU. Er verließ vor den Beratungen die Ratsrunde und setzte sich in den Zuschauerraum.

Dass ein Gerichtsurteil durchaus unterschiedlich interpretiert werden kann, zeigte sich bei der Ratssitzung im Gasthaus Köllmann in Bargfeld. Die Vertreter der CDU und der Suderburger Verwaltung stützen sich auf die Aussagen der Rechtsanwältin, die die Gemeinde vertritt. „Ein Rechtsmittel hätte wohl kaum eine Chance und verursacht nur Kosten“, findet Gerdaus Bürgermeister Otto Schröder (CDU).

Auch Rüdiger Lilje als Vertreter der Gemeindeverwaltung hält eine Revision für aussichtslos: „Im laufenden Verfahren ist es nicht gelungen, das Gericht zu überzeugen.“ Eine solche hätte in seinen Augen nur Aussicht auf Erfolg, wenn es Unterlagen gäbe, die den Verlauf der Straße genau bestimmen könnten. In den Aufzeichnungen von 1969 und 1983 ist das nämlich nicht getan worden. Wolfgang Hahnemann (SPD) hingegen sieht es anders. Er zitierte Passagen aus dem Urteil, die in seinen Augen dafür sprechen, dass die Gemeinde in Berufung gehen sollte. „Ich bin kein Jurist und habe das Urteil mehrmals gelesen“, schickte er vorweg. Dank dieser Einschätzung kassierte er eine Bemerkung von CDU-Ratsherr Burkhard Krüger: „Das ist hobbymäßig zusammengetragen. Da verlasse ich mich lieber auf unsere Rechtsanwältin.“

Schnell entkräftet wurde die Anmerkung der Sozialdemokraten, das die Zuwegung zum Kindergarten gefährdet sei. „Hier handelt es sich um ein ganz anderes Grundstück. Das hat nichts mit der Widmung zu tun“, betonte Lilje. Die CDU-Ratsfrau Annegret Contermann störte es in der gesamten Diskussion grundsätzlich, dass sowohl den Rechtsanwälten als auch den Politikern Unterstellungen seitens einiger Anwohner gemacht werden. „Wir haben uns bemüht. Es war uns bekannt, dass nicht sicher war, ob die Widmung korrekt ist“, fasste Bürgermeister Otto Schröder am Ende zusammen. Kleuker habe ein Wegerecht vorgeschlagen, aber die Leute seien nicht bereit, aufeinander zuzugehen. Unwirsch reagierte er allerdings auf einen Einwand von Anlieger Werner Bollhorn, der eine Umbenennung der Straße „In der Worth“ in „Hauptstraße“ bei Google-Maps im Internet gefunden habe: „Wir haben andere Sachen, um die wir uns zu kümmern haben, als diesen Schwachsinn. Wolfgang, lass den Blödsinn.“

Von Jörn Nolting

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