Regierungswechsel in Hannover: Rot-Grün will Studiengebühren abschaffen / Dekan Meißner sieht Vor- und Nachteile

Geld kommt Studierenden zugute

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Fast 7 Millionen Euro an Studiengebühren hat die Ostfalia Fachhochschule 2011 investiert. Größter Posten: 1 408 728 Euro flossen in zusätzliches Personal im technischen und Verwaltungsdienst.

Suderburg. Prüfungszeit am Campus Suderburg – die Köpfe der Studierenden rauchen, der Regierungswechsel in Hannover beschäftigt die Studenten eher am Rande. Dabei sind sie direkt betroffen, schließlich haben SPD und Grüne versprochen, die Studiengebühren abzuschaffen.

Ist das der Fall, gibt es die bei Studierenden unbeliebten 500 Euro pro Semester nur noch in Bayern.

Dekan Professor Dr. Albrecht Meißner kann nachvollziehen, dass die Studierenden sich eine Abschaffung der Studiengebühren wünschen: „84 Euro pro Monat ist für Studierende schon ein ganz schöner Betrag.“ Doch als Dekan sieht er eben auch, wofür die Gebühren genutzt werden. Fallen diese nun weg, dann sieht Meißner zwar ein, dass die Studenten 1000 Euro im Jahr mehr haben, aber insgesamt weniger. Es sei denn, die neue rot-grüne Regierung hält ihr Versprechen ein und besorgt das dann fehlende Geld aus anderen Quellen. „Wenn wir die Mittel bekommen, dann ist es keine Frage“, sagt der Dekan. Doch was in zwei Jahren passiert, ist ein Blick in eine Kristallkugel. Und so plant der Dekan die Einnahmen aus den Studiengebühren für dieses Jahr ein. Das Geld wird beispielsweise für Studienvorbereitungskurse oder Tutorien verwendet. Auch Angebote für leistungsstarke Studenten werden aus dem Topf der Studiengebühren finanziert. „Es ist kein klassisches Stipendium, sondern die Studierenden erhalten ein Jahr lang 100 Euro pro Monat“, erklärt der Dekan. Gefördert werden auch Exkursionen oder zusätzliche Lehrveranstaltungen, die doppelt angeboten werden können, um die Zahl der Teilnehmer gering halten zu können. Auch die Öffnungszeit und Ausstattung der Bibliothek hängt an den Beiträgen der Studierenden.

Meißner betont, dass 100 Prozent der Studiengebühren der Suderburger Studenten über unterschiedliche Wege in Suderburg ankommen. Zum Teil fließe das Geld in die „zentralen Dienste“, womit das Rechenzentrum der Ostfalia gemeint ist.

Doch egal, wie das Geld investiert wird, die Studierenden können mitbestimmen. „Die Vorschläge stammen aus den Reihen der Studierenden und passieren die Studienkommission und den Fakultätsrat und werden dann erst im Präsidium eingereicht“, erklärt Meißner. Er selbst sieht die Studiengebühren zwiespältig: Als Professor und als Vater ist er der Überzeugung, dass der Staat für Studienbildung sorgen müsse. Als Dekan hingegen hat er eine etwas andere Meinung. In anderen Bundesländern, in denen die Studiengebühren abgeschafft wurden, hat sich die alternative Finanzierung etwas anders entwickelt, schildert der Suderburger Dekan. Da gab es eine Pauschale, die sich nicht an die Zahl der Studenten angepasst habe – somit war weniger Geld vorhanden. Und gerade in Suderburg rechnet Meißner aufgrund der relativ neuen Studiengänge mit einer Erhöhung der Zahl der Studierenden.

Von Jörn Nolting

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