Nein zu Glyphosat, ja zur Handarbeit: Ehrenamtliches Team pflegt Hösseringer Friedhof seit 18 Jahren

„Es geht auch ohne Gift“

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Mit einem großen Plastik-Schneeschieber bringt Anne-Rose Günnel (rechts) das Laub weg. Ihre Helferinnen vom Hösseringer Friedhofsteam sind unterdessen fleißig am Harken.

Hösseringen. Eigentlich ist es ein milder Novembernachmittag, von Frost ist keine Spur. Doch die Frage von Christine Ebherdt, Mitglied des Pflegeteams für den Hösseringer Friedhof, lässt einen kalten Wintertag vermuten.

„Ist da drüben auch Glatteis?“, will sie von zwei Helferinnen wissen und zeigt auf eine Rasenfläche. Das Grinsen in ihrem Gesicht verrät: Natürlich ist das Gras nicht wirklich gefroren, sondern nach dem Regen nur ganz schön rutschig.

Dieter Hammes kippt eine Schubkarrenladung Laub in einen Container. Muskelkater habe er hinterher nicht, versichert er.

Die Szene zeigt, dass es bei den Pflege-Einsätzen auf dem Friedhof locker zugeht. Da wird geklönt, gescherzt und gelacht. Seit Anfang 2000 kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer des Pflegeteams zwischen März und November um den kirchlichen Friedhof in Hösseringen. Sie sammeln zum Beispiel Laub, harken die Wege und entfernen Unkraut. Derzeit besteht der muntere Kreis aus 21 Personen, die sich in drei Gruppen aufgeteilt haben. Einmal im Monat steht für eine der Gruppen nachmittags ein Arbeitseinsatz an.

Hans-Heinrich Stolze und seine Ehefrau Angelika organisieren das Friedhofs-Team.

Ins Leben gerufen wurde das Pflegeteam von Hans-Heinrich Stolze und seiner Ehefrau Angelika. „Wir wollen den Friedhofswart und die Kirchengemeinde entlasten“, erklärt Stolze, der seit vielen Jahren im Kirchenvorstand von St. Remigius aktiv ist. Der 64-Jährige hat ein Credo: „Es geht auch ohne Gift“, sagt er mit Blick auf das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Sein Einsatz auf Grünflächen ist daher gesetzlich stark eingeschränkt worden. Und so sprießt auf so manchem deutschen Friedhof das Unkraut.

Nicht so in Hösseringen. Dank der Handarbeit der dortigen Helfer mit Harke und Hacke ist kein Spritzmittel erforderlich – der Friedhof sieht tipptopp aus. „Ich kann nicht verstehen, dass man Glyphosat noch immer nicht verboten hat“, meint Stolze. „Schade, dass bei den Leuten kein Umdenken eingesetzt hat.“

Das sehen die Helfer vom Pflegeteam genauso. An diesem Nachmittag zum ersten Mal dabei ist Ursula Löbnitz. „Ich möchte etwas zur Dorfgemeinschaft beitragen“, erklärt sie. Seit rund fünf Jahren hilft Heike Nowak mit. „Wir wollen einfach einen schönen Friedhof haben. Es heißt ja: ,Viele Hände machen schnell ein Ende‘. Und es ist auch immer ein Treffen mit netten Leute“, schildert sie.

Unterdessen kippt Dieter Hammes eine Schubkarrenladung Laub in einen Container neben dem Friedhofseingang. Muskelkater habe er nach verrichteter Arbeit nicht, betont Hammes, der seit rund zehn Jahren dabei ist. „Das ist nicht anstrengend. Es sind ja genug Leute da“, meint er.

Ein außergewöhnliches Arbeitsgerät hat Anne-Rose Günnel mitgebracht: einen großen Plastik-Schneeschieber. Zeigen sich auf dem Rasen etwa doch die ersten Spuren des Winters? Anne-Rose Günnel lacht. „Nein“, sagt sie, „so ein Schneeschieber ist wesentlich praktischer als eine Schaufel. Da passt einfach viel mehr Laub rein.“

Von Bernd Schossadowski

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