Neues Projekt der Oberschule Suderburg

Gedenktafel erinnert an 37 im Krieg gefallene Schüler der Wiesenbauschule

Landrat Heiko Blume, Schulleiterin Anna Horey-Kück, Lehrerin Ines Lübbecke, der ehemalige Oberschüler Titus Gowor und Karl-Friedrich Boese vom Volksbund stehen hinter der neuen Gedenktafel im Wald.
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Weihten gemeinsam die Gedenktafel ein: Landrat Heiko Blume (2. von links), Schulleiterin Anna Horey-Kück (2. von rechts), Lehrerin Ines Lübbecke, der ehemalige Oberschüler Titus Gowor (links) und Karl-Friedrich Boese vom Volksbund.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Neben dem Ehrenmal im Suderburger Tannrähm wurde jetzt eine neue Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert an 37 ehemalige Schüler der örtlichen Wiesenbauschule, die im Ersten Weltkrieg starben. Die Tafel ist das Ergebnis eines Geschichtsprojekts der Oberschule.

Suderburg – „Lieber Hans, liebe Anna“, so beginnt der Feldpostbrief, den der aus Veerßen stammende Soldat Heinrich Röver am 1. September 1914 an seine Familie schickt. Er ist im Ersten Weltkrieg in Belgien stationiert. „Wir haben hier wunderbare Schlösser und Güter gesehen, aber es war alles ruhig“, schreibt Röver. Sein Brief endet mit dem Satz: „Hoffentlich geht es Euch allen recht gut, so wie mir.“ Doch nur zwei Monate später ist Röver tot. Er habe „im Gefecht den Heldentod fürs Vaterland gefunden“, heißt es in einer Mitteilung der Armee. Sein Todestag war vermutlich der 2. November 1914.

Röver war einer von 37 Schülern der früheren Wiesenbauschule in Suderburg, die als Soldaten in den Ersten Weltkrieg zogen und dort starben. An ihn und seine gefallenen Mitschüler erinnert eine Tafel, die jetzt im Tannrähm, dem Waldstück am Rand von Suderburg, aufgestellt wurde. Sie ist das Ergebnis eines Projekts, mit dem sich die neunte Klasse des Wahlpflichtkurses Geschichte der Hardautal-Schule 2019 und 2020 beschäftigte.

Sie waren in der Blüte ihres Lebens

Seit 1924 erinnert im Tannrähm ein großer Findling an die gefallenen Schüler der Wiesenbauschule als namenlose Gruppe. Die jetzt direkt daneben eingeweihte Tafel lässt diese Gruppe als Individuen wieder sichtbar werden. „Sie waren zwischen 20 und 30 Jahre alt und in der Blüte ihres Lebens“, sagte Landrat Heiko Blume, der als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge während einer Gedenkstunde eine Ansprache hielt. Viele Soldaten seien vor ihrem tragischen Tod durch Kriegserlebnisse traumatisiert gewesen. „Dieser Menschen, stellvertretend für viele andere, gedenken wir heute“, erklärte Blume.

Sich die individuellen Schicksale der gefallenen Schüler vor Augen zu führen, sei „sehr berührend“, sagte Suderburgs Bürgermeisterin Dagmar Hillmer. „Ich wünsche mir, dass wir uns eine Erinnerungskultur erhalten, gerade hier an diesem friedlichen Platz. Es sollte uns eine Mahnung sein, unseren Frieden zu bewahren.“

Zuvor hatte Geschichtslehrerin Ines Lübbecke das Erinnerungsprojekt der Neuntklässler vorgestellt. Diese hatten im landwirtschaftlichen Archiv des Museumsdorfes Hösseringen und im Uelzener Stadtarchiv recherchiert. Zudem hatte die Oberschule nach einem öffentlichen Aufruf zahlreiche Feldpostbriefe erhalten und ausgewertet.

Landkarte zeigt die Orte, an denen die Soldaten starben

Einen dieser Briefe, jenen von Heinrich Röver, las der frühere Oberschüler Titus Gowor während der Gedenkfeier vor. Danach wurde die Erinnerungstafel enthüllt. Sie zeigt eine Landkarte Europas, auf der die Orte, an denen die 37 Wiesenbauschüler im Krieg fielen, mit Punkten markiert sind: von Russland über Polen bis Frankreich. Finanziert wurde die Tafel von der Sparkassenstiftung.

Mittelfristig wünscht sich Ines Lübbecke, die das Schulprojekt zusammen mit ihrem Kollegen Pierre Eilenbecker betreut hatte, die Erstellung eines Audioguides. Dabei sollen per QR-Code digitale Informationen auf dem Smartphone abrufbar sein.

Beeindruckt von der Erinnerungstafel war Karl-Friedrich Boese, Bildungsreferent des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Durch die Nennung der Namen erhält das abstrakte, ferne Geschehen des Krieges einen persönlichen Bezug“, sagte er. Großes Lob zollte auch Schulleiterin Anna Horey-Kück den Oberschülern für ihr Geschichtsprojekt. „Das ist großartig“, freute sie sich. Der Fokus auf die Einzelschicksale der Wiesenbauschüler mache den Unterschied aus. „So ist die persönliche Betroffenheit stärker.“

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