In fünf Jahren nur noch 60 Schüler

Vor der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses der Samtgemeinde Suderburg musste sich Gruppensprecher Hans-Hermann Hoff rechtfertigen – jetzt nimmt die Gruppe aus SPD, WSL und Grünen Stellung zur Grundschule Gerdau.

Gerdau/Suderburg - Von Jörn Nolting. Viele Schulfachleute schütteln den Kopf darüber, wenn in kleine Grundschulen in der Region, die besonders stark vom demographischen Wandel erfasst ist, überhaupt noch viel Geld investiert wird. Denn auch die Fördermittel sind keine „Geldgeschenke“, sondern teuer zu finanzierende Kreditaufnahmen. Ein Blick auf die Grundschule Suderburg zeigt es: Vor acht Jahren als moderne, energieautarke Schule für zwölf Klassen gebaut, sind heute noch acht Klassen vorhanden. Auch hier gibt es stark abnehmende Schülerzahlen – so wie auch in Gerdau.

„Schon jetzt könnten die Gerdauer Schüler im Suderburger Gebäude untergebracht werden“, schreiben die Vertreter der Gruppe bestehend aus SPD/WSL und Grünen der Samtgemeinde Suderburg und schränken ein: „Selbstverständlich will das niemand im Suderburger Land, egal welcher politischen Couleur. Aber die im Kultusministerium können ja auch rechnen.“

Die rapide abnehmenden Schülerzahlen sprechen für die politischen Vertreter der Gruppe dagegen, den großen zweigeschossigen Gebäudeteil in Gerdau für gerade noch 84 Schüler zu sanieren. In fünf Jahren, das weiß man heute schon, werden es noch knapp über 60 Kinder sein, einige Jahre später ist die Einzügigkeit der Schule wohl nicht mehr zu halten – Klassen müssen dann jahrgangsübergreifend unterrichtet werden.

Qualitätsmäßig muss das keine Einbuße bedeuten, aber der Raumbedarf wird sich weiter verringern. Und vor allem: Was würde mit dem eingeschossigen Altbau geschehen, der erheblich schlechter zu heizen ist? Bei der Neubau-Sanierung wäre nicht ein Euro für den Altbau übrig geblieben. Und eine Weiternutzung des Altbaus „so ganz nebenbei“ wäre ausgeschlossen. „Was sollen denn 80 Schüler in einem Gesamtgebäude, das ursprünglich für 300 Schüler ausgelegt war? Aber wie selbstverständlich scheint die Bürgerinitiative (BI) von der Gesamtnutzung auszugehen“, bemängeln die Politiker der Gruppe. Die Schule müsste, zöge sie in den sanierten Neubau um, auf die attraktive Eingangshalle im Altbau verzichten, sozusagen auf die Aula. Überhaupt ist die Innengestaltung, das Ambiente des Altbaus, ansprechender als der „nüchterne Zweckneubau“. Zudem erhalten die Gerdauer ja ihre „alte“ Schule zurück.

Die Gruppe ist damit bereit, dem Bürgerbegehren stattzugeben und wird die Fördergelder investieren. „Die Demokratie funktioniert also“, stellt Gruppensprecher Hans-Hermann Hoff fest. Allerdings wird nach einigem Hin und Her eben nicht in den zweigeschossigen Neubautrakt, sondern in den Altbautrakt einschließlich des Verbindungsganges investiert. Der Neubautrakt wird mit keinem Wort erwähnt. „Wahrscheinlich ist das auch den meisten der Unterzeichner egal – Hauptsache, die Schule wird saniert und bleibt erhalten“, vermutet Hans-Hermann Hoff. Deshalb haben ja so viele Menschen unterschrieben. Die Gruppe geht jedenfalls davon aus, dass sie das Bürgerbegehren dem Sinn nach erfüllt hat. Über 500 000 Euro werden investiert, darunter 88 375 Euro € Eigenmittel und 37 875 Euro aus der Kreisschulbaukasse. Diese Mittel muss die Samtgemeinde mitfinanzieren Die langfristige Nutzungsgarantie (über genau zwölf Jahre), gibt die Gruppe auf der nächsten Ratssitzung ab und erfüllt damit die zentrale Forderung des Bürgerbegehrens. Die Schule behält ihre liebevoll eingerichtete Bibliothek, kombiniert mit einem PC-Raum. Auch der Werkraum wird weiterhin für die wenigen Werkstunden in der Woche genutzt. Er befindet sich im Neubau, grenzt aber unmittelbar an den Verbindungsgang zum Altbau an. Die Gruppe gesteht aber ein, dass künftig nicht mehr jedem Klassenraum wie bisher ein weiterer Raum zugeordnet werden kann. Andere Grundschulen im Landkreis verfügen über gar keine Gruppenräume. Sollte die Schule pädagogisch begründet einen besonderen Raumbedarf nachweisen, stehen notfalls noch Räume im Neubau zur Verfügung. Für die Gruppe steht fest: Eine energetische komplette Sanierung des Neubautraktes mit dieser großen Summe ist angesichts des relativ guten baulichen Zustands nicht zu verantworten. Bleibt allerdings die Frage offen, was mit dem Neubau künftig geschehen soll. Die Gruppe bietet an, gemeinsam mit den Gerdauern über eine Lösung zu diskutieren. Das gesamte Schulgebäude gehört ja (noch) der Samtgemeinde.

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