Bildband „Heideland“ von Michael Ende und Theo Grüntjens zeigt die Vielseitigkeit von Flora und Fauna in der Heide

Vom faszinierenden Paradies vor der Haustür

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Zum ersten Mal trafen sich Theo Grüntjens (li.) und Michael Ende auf dem Schießplatz von Rheinmetall in Unterlüß, wo sich in 100 Jahren Flora und Fauna entwickeln konnten.

Unterlüß. Das Heideland – die Ursprünglichkeit der Landschaft, ihre Wandelbarkeit im Wechsel der Jahreszeiten und die Vielfalt von Flora und Fauna versetzen den Betrachter in Staunen.

Doch vor allem ist die Heide eine besonders gefährdete, schützenswerte Lebenswelt mit einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt. Theo Grüntjens und Michael Ende haben jetzt den Bildband „Heideland“ veröffentlicht, der sich auf 200 Seiten dieser Faszination widmet.

Das Buch wird lebendig durch die Naturbeobachtungen und -fotografien von Theo Grüntjens und die Texte von Michael Ende. Grüntjens hat als Förster auf dem Rheinmetall-Schießplatz Unterlüß ein Kleinod in der Heide bewahrt. Wie Ende durchstreift er auch als Jäger diese typische Natur. Den AZ-Lesern ist er als Wolfsbeauftragter bekannt. „Heideland“ eröffnet unbekannte Einblicke, will dazu anregen, über das eng gesponnene Netz von Natur und Mensch nachzudenken.

Zum ersten Mal getroffen haben sich Ende und Grüntjens bei der Jagd in Unterlüß. Das 5 500 Hektar große Erprobungsgelände des Rüstungskonzerns Rheinmetall ist seit mehr als 100 Jahren Sperrgebiet. So konnten sich dort Lebensgemeinschaften erhalten und entwickeln, die man andernorts nur noch aus Büchern kennt. Ende spricht von einer „seltsam paradoxen Ironie“: „Dort, wo tödlich präzise Waffen-Hightech getestet wird, sprießt ursprüngliches Leben so kraftvoll, dass es für jeden eine Offenbarung ist.“

Rheinmetall benötigt freie Schussbahn. Deshalb wurde hier eine 800 Meter breite und 15 Kilometer lange Heidefläche erhalten. Grüntjens: „Unsere aktive Landschaftspflege hat dazu geführt, dass sich hier tausende Insekten wohlfühlen; fast 1 220 Schmetterlingsarten haben sich angesiedelt und rund 700 Bienenvölker suchen während der Heideblüte nach Nektar.“

Sogar Adler, Habichte und Uhus sowie der selten gewordene Charaktervogel der Lüneburger Heide, das Birkhuhn, sind fester Bestandteil der Fauna im Erprobungsgelände. Beachtlich ist auch die Zahl der Wirbeltiere auf dem Gelände, das zum größten Teil nicht aus Heide, sondern aus Wald besteht: Rotwild, Rehwild, Schwarzwild, Hasen und Kaninchen, aber auch Füchse, Dachse, Marderhunde, sogar Fischotter und Fledermäuse. „Die Vielfalt ist paradiesisch. Viele der Arten galten in hiesigen Breiten bereits als ausgestorben“, freut sich Grüntjens. Besonders stolz ist er über den heimisch gewordenen Wolf.

Das Wort „Paradies“ impliziere unterschwellig die Angst, es zu verlieren, sagt Ende: „Aber dieses Land macht Mut. Es zeigt, wie unverwüstlich das Leben sein kann, wenn der Mensch ihm nur eine Chance gibt.“

Der 200 Seiten starke Bildband ist im Buchhandel erhältlich.

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