Ein neuer Gast aus dem Harz / Wildkamera-Aufnahme zeigt die Raubkatze auf einem Feld zwischen Bargfeld und Dreilingen

Erstmals Luchs im Kreis Uelzen gesichtet

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Auf diesem Foto, zwischen Bargfeld und Dreilingen aufgenommen von der Wildkamera von Jäger Heinz Schütte, ist deutlich ein Luchs zu erkennen. Die Raubkatze kommt wahrscheinlich aus dem Harz, wo vor 18 Jahren die ersten Exemplare ausgewildert wurden. 

Bargfeld. Als der Holdenstedter Jäger Heinz Schütte kürzlich die Bilder seiner Wildkamera auswertete, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen.

Auf einem Foto, aufgenommen am 18. Oktober um 18.57 Uhr, ist tatsächlich ein Luchs zu sehen – und das mitten auf einem Feld zwischen Bargfeld und Dreilingen. „Anfangs war ich schon überrascht, was das wohl sein könnte“, erzählt Schütte, der sein Jagdrevier im Südwesten des Landkreises seit April gepachtet hat. „Aber beim zweiten Hingucken habe ich erkannt, dass es ein Luchs ist.“.

Das bestätigt auch Ole Anders, Koordinator des „Luchsprojektes Harz“, nach einem Blick auf die Aufnahme. Zweifelsfrei handele es sich um ein Exemplar der Raubkatze, sagt er. Damit ist es der erste Nachweis eines Luchses im Kreis Uelzen. „Die Vermutung liegt nahe, dass er aus dem Harz gekommen ist“, erklärt Anders im AZ-Gespräch. Denn dort wurden im Jahr 2000 die ersten Luchse ausgewildert. Bis 2006 waren es 24 Exemplare – die heutige Population im Harz beträgt etwa 90 Luchse, darunter sind 35 Jungtiere. 2010 gab es die ersten Nachweise, dass außerhalb des Harzes Luchse leben, berichtet Anders. „Seitdem stellen wir eine deutliche Erweiterung, etwa eine Verdreifachung, des Vorkommensgebietes fest.“

Möglicherweise ist das bei Bargfeld fotografierte Tier derselbe Luchs, der einige Wochen zuvor bei Amelinghausen von einer Wildkamera erfasst wurde. Außerdem sei im Dezember 2017 bei Seehausen in der Altmark ein Luchs mit einem Funkhalsband aufgetaucht. „Es ist aber nicht die Regel, dass Luchse so lange Strecken wandern. Sie gehen meist nicht weiter, als sie müssen“, schildert Anders. Größere Entfernungen legen meistens nur jüngere Männchen zurück – auf der Suche nach neuen Revieren oder einer Partnerin.

Müssen Spaziergänger und Weidetierhalter im Kreis Uelzen nun in Sorge vor dem Luchs sein? Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge verneint das ausdrücklich. „Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit der Ausbreitung des Wolfes in unserer Region“, sagt er. „Der Luchs ist ein Einzeljäger. Er will seine Ruhe haben, braucht Waldgebiete als Lebensraum und meidet menschliche Siedlungen.“

Nur in ganz seltenen Fällen sei der Luchs für Menschen gefährlich. „Wenn er zum Beispiel ein Stück Wild gerissen oder Besitz davon ergriffen hat, muss man ein bisschen aufpassen. Dann wird der Luchs rabiat“, weiß Hellbrügge. Ansonsten ernähre sich die Raubkatze vor allem von Rehwild und Hasen. Größere Weidetiere reiße sie nicht.

Dagegen berichtet Luchs-Experte Anders sehr wohl von vereinzelten Angriffen auf Weidetiere. „Das passiert etwa fünf bis zehn Mal im Jahr“, erklärt er. Mit der Zahl der Wolfsrisse sei das aber in keiner Weise vergleichbar.

Von Bernd Schossadowski

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