Erst Biogas, dann Hähnchenmast?

Informierten die Zuhörer über die geplante Biogasanlage bei Suderburg (von links): Referentin Sylvia Aevermann, Bürgerinitiativen-Sprecher Borvin Wulf und Diplom-Bauingenieur Jan Lüder.

Suderburg - Von Ulrich Bleuel. Fördermittel zur Erzeugung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, Mindestvergütungen aus eingespeistem Strom über marktüblichen Preisen, Ausgleichszahlungen für den landwirtschaftlichen Betrieb, zinsgünstige Mittel der KfW-Bankengruppe – zahlreiche Subventionen lassen die Errichtung und das Betreiben einer Biogasanlage zu einer „ruchbaren“ Kapitalanlage werden. Nicht unbedingt zum Wohle der Allgemeinheit.

Das erklärte Sylvia Aevermann als autodidaktische Referentin für Biogasanlagen. Mehr noch: Bei der öffentlichen Informationsversammlung zur geplanten Biogasanlage bei Suderburg sah sie auch die saubere Luft im Hardautal in Gefahr. Massen an Mais und Gülle würden herangefahren, ein Mehr an Verkehr und Gestank sei zu erwarten, erläuterte sie. Nicht auszuschließen sei auch eine hohe Störanfälligkeit wie bei allen Biogasanlagen – mit entsprechenden Folgen für die Umwelt.

Das alles war Wasser auf den Mühlen der Bürgerinitiative „Pro Suderburg“, die zu dieser gut besuchten Veranstaltung eingeladen hatte. Sprecher Borvin Wulf, zugleich abendlicher Moderator, stellte die vor rund vier Wochen formierte Initiative als Bekenntnis zu Suderburg vor. Die Menschen hätten ein Bedürfnis nach Informationen und Aufklärung zu einer geplanten Methangasanlage auf rund 4,65 Hektar Fläche und nur rund 300 Meter zur Suderburger Siedlung „Wolfskuhle“ entfernt, so Wulf.

Der Flächennutzungsplan stehe dem Bauvorhaben nicht entgegen, erklärte Bauamtsleiter Rüdiger Lilje in einem vorgelesenen Antwortschreiben an die Bürgerinitiative. Eine direkte Zuwegung von der Kreisstraße zum Betriebsgelände werde wohl auch vom Kreis genehmigt. Ein Bauantrag für die Anlage allerdings liege noch nicht vor.

„Knackpunkt“ bei dem Info-Abend war der räumlich-funktionale Zusammenhang zwischen Hofstätte und Betriebsgelände der beiden Betreiber aus Suderburg und Nienwohlde. Ein rechtlich dehnbarer Begriff, der viele Möglichkeiten offen ließe. Diplom-Bauingenieur Jan Lüder versuchte die rechtlichen Aspekte zu durchleuchten und kam nach seinen Ausführungen zu dem Schluss: „Wenn die Auflagen der rechtlichen Gesamtbetrachtung erfüllt werden, ist eine Genehmigung zu erteilen.“

Der räumlich-funktionale Zusammenhang lässt sich auch anders herstellen. Gerüchten und Vermutungen zufolge könne nicht ausgeschlossen werden, dass neben der Methangasanlage auch eine Hähnchen-Mastanlage entstehen könne, so Wulf.

Die Fehlentwicklung der ausufernden Genehmigungen zu Biogasanlagen habe die Politik inzwischen erkannt. Die Landesregierung beabsichtige, ab dem Jahr 2012 entsprechende Subventionen zumindest nach unten zu schrauben. Da mache eine möglichst schnelle Beantragung zur Genehmigung einer solchen Anlage einen durchaus legitimen Sinn, stellte Wulf abschließend fest.

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