„Blinde Kuh“ statt Busverkehr

Baustellen sind schuld: Erhebliche Verspätungen zwischen Bohlsen und Gerdau

Eltern aus eimke stehen mit Kindern vor der örtlichen Bushaltestelle
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Sarah Schulz und Andreas Holst stehen mit einigen Kindern aus Bohlsen und Eimke an der Bushaltestelle in der Ortsmitte von Bohlsen.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Eltern kritisieren, dass der Bus der RBB morgens erst mit erheblicher Verspätung in den Orten eintrifft, um die Kinder zur Grundschule Gerdau zu bringen.

Bohlsen/Gerdau - So etwas nennt man Domino-Effekt: Wäre der Bus an jenem Morgen pünktlich in Bohlsen angekommen, hätten die dort wartenden Schulkinder nicht aus Langeweile angefangen, „Blinde Kuh“ zu spielen. Dann wäre Janis Holst auch nicht gegen die Kante des hölzernen Wartehäuschens in der Ortsmitte gestoßen. Und er hätte sich auch keine Platzwunde an der Stirn zugezogen, die mit vier Stichen genäht werden musste. Seitdem trägt der Siebenjährige ein großes Pflaster.

Über diesen Vorfall sind sein Vater Andreas Holst und andere Eltern aus Bohlsen beunruhigt. „Seitdem es die Baustelle auf der B 71 gibt, kommt der Bus bis zu eine halbe Stunde später“, sagt Sarah Schulz, deren Tochter Jördis die vierte Klasse in Gerdau besucht. Die Folge: Die anderen Kinder in der Schule müssen warten, bis die Bohlsener eingetroffen sind, vorher beginnen die Lehrkräfte nicht mit dem Unterricht. „So leidet die gesamte Schule darunter“, ärgert sich Holst.

Es mache auch keinen Sinn, die Kinder morgens eine halbe Stunde später zur Haltestelle in Bohlsen zu schicken, erklärt Schulz. Denn manchmal kommt der Bus auch nur mit 15 oder 20 Minuten Verspätung dort an. Jördis findet die Wartezeit auf jeden Fall „ziemlich doof“, wie sie der AZ erzählt. „Jetzt ist es morgens auch noch kalt. Wir warten die ganze Zeit, aber der Bus kommt nicht. Deshalb machen wir kleine Spiele, um uns die Zeit zu vertreiben.“

Die Rückfahrt von Gerdau nach Bohlsen, aber auch nach Eimke gestaltete sich zuletzt sogar noch schwieriger. Weil seit dem 4. Oktober auch noch die ICE-Brücke am Suderburger Bahnhof wegen Bauarbeiten gesperrt ist, muss der RBB-Bus einen Umweg fahren. Das habe zur Folge, dass die Kinder mittags 30 bis 45 Minuten später als üblich an der Grundschule Gerdau abgeholt werden und entsprechend spät zu Hause ankommen, schildert Sarah Schulz.

Die betroffenen Eltern hätten sich bereits an den Landkreis gewandt, aber ohne Erfolg. „So eine Baustelle fällt doch nicht vom Himmel, das wusste man doch schon seit Monaten“, schimpft Schulz. Und Holst meint: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum man nicht einen Kleinbus oder Mietwagen zur Verfügung stellt.“

Die genannte Verspätung von 45 Minuten beziehe sich auf den 5. Oktober, erklärt Landkreis-Sprecher Martin Theine. An diesem Tag habe sich auf der B 4 ein Unfall ereignet. Dadurch hätten sich mehrere Linien- und Folgefahrten verspätet. „Zusätzlich zur baustellenbedingten Situation in und um Uelzen hat sich die zeitliche Verzögerung dadurch dann auf den genannten Zeitraum summiert“, sagt Theine. Seit dem 8. Oktober sei die B 71 im Bereich Bohlsen für die RBB-Busse aber nutzbar, sodass es dort zu einer zeitlichen Entspannung gekommen sei.

Der Landkreis habe sich gemeinsam mit der RBB und der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen über das Problem ausgetauscht. Aufgrund der Anzahl der Schüler sei eine Lösung mit Taxi oder Mietwagen nicht denkbar. „Diese Fahrzeuge sind ohnehin zu großen Teilen in den Hauptzeiten in die Schülerbeförderung eingebunden“, erläutert Theine.

Morgens zur ersten Stunde und mittags zur Rückfahrt „bestehen aufgrund der Auslastung keine weiteren Spielräume für weitere Planungen“. Bei Änderungen vor Ort könne zumindest der Busverkehr durch die Baustelle auf der B 71 fahren oder bei vorzeitiger Fertigstellung umgehend der normale Fahrbetrieb wieder aufgenommen werden, so Theine. Derzeit seien jedoch „alle Möglichkeiten ausgeschöpft“.

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