Damit der Wolf keine Chance hat: Herdenschutzesel bewacht Schafe und Schnucken in Eimke

Emma und ihre Schützlinge

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Esel-Dame Emma und drei andere Grautiere bewachen die Schafe und Schnucken von Gerd Jahnke von der Glockenbergsschäferei in Eimke vor Wölfen, Hunden und anderen Gefahren.

Eimke. Emma steht ruhig zwischen ihren Schützlingen, den Heidschnucken von Schäfer Gerd Jahnke von der Glockenbergsschäferei in Eimke. Doch dann bemerkt sie, dass ein Fremder mit dem Hirten gekommen ist.

Sie läuft los, um die Lage abzuklären, die Ohren bewegen sich und lauschen in jede Richtung. Gleichzeitig wird der Eindringling nicht aus den Augen gelassen. Aber Bellen ist nicht zu hören, denn Emma ist kein Hund, sondern ein Herdenschutzesel.

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„Esel sind von Natur aus sehr neugierig und wehrhaft“, sagt Jahnke über seine vier Grautiere, die seit einem Jahr seine Schafe beschützen. Ungewöhnlich sei ihr Einsatz nicht, bei Schäfern sei der Nutzen von Eseln schon länger bekannt. Ein großer Vorteil sei, dass die Tiere bei Gefahr nicht gleich Reißaus nehmen. „Esel laufen nicht weg und gehen erstmal drauflos, bleiben dann stehen und starren einen an“, erzählt Jahnke. Dadurch würden die Schafherden für einzelne Wölfe, Hunde oder andere Raubtiere unattraktiv. Falls das als Abschreckung nicht ausreicht, können sich Esel mit Tritten und Bissen zur Wehr setzen.

Wolfsrudel im Kreis Uelzen gefilmt:

Die Esel würden die Schafe beschützen, weil sie die Tiere als Teil ihrer Herde wahrnehmen. Aber mehr als ein Esel kann pro Herde nicht eingesetzt werden. „Man kann nur einen Esel einsetzen, sonst interessiert er sich einen feuchten Kehricht für die Schafe“, berichtet Jahnke. Damit die Esel aber auch mal unter ihresgleichen kommen, lösen sie sich gegenseitig im Dienst ab.

Wenn sie bei den Schafen sind, bleiben sie auch nachts bei ihren Schützlingen. Es gibt aber noch andere Gründe, aus denen sich der Einsatz von Herdenschutzeseln lohnt. Die Grautiere fressen das Gleiche wie die Schafe und kommen gut mit ihnen aus. Selbst mit den Herdenschutzhunden gebe es keine Probleme, so Jahnke. „Esel und Hund werden zwar nicht die besten Freunde, kommen aber miteinander zurecht“, erzählt er. „Ein Nachteil ist, dass Esel und Schafe recht lange aneinander gewöhnt werden müssen“, sagt Jahnke. Ansonsten bleibe eigentlich nur ein Problem: „Wenn der Esel bei der Herde ist, dürfen wir nicht zufüttern. Er lässt die Schafe nicht ans Heu und beißt sie weg“, berichtet er. Alles in allem sei der Herdenschutzesel aber eine wichtige Ergänzung im Zusammenspiel mit Hunden und Elektrozäunen zum Schutz der Herden. „Natürlich wird er kein ganzes Wolfsrudel aufhalten, aber alle Maßnahmen zusammen minimieren das Risiko“, fasst Jahnke zusammen. Deshalb hat das Land Niedersachsen jetzt auch das Pilotprojekt Herdenschutzesel gestartet.

Von Lars Lohmann

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