Empörter Abgang in der Ratssitzung

Eklat in Suderburg: CDU-Chef verlässt Sitzung wegen persönlicher Attacke

Auf der Fläche zwischen dem bestehenden Krippengebäude (rechts) und der alten Schule in Suderburg könnte der Krippen-Neubau entstehen. Im Rat gab es dazu jetzt Streit zwischen Udo Depner und Götz Schimmack.
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Auf der Fläche zwischen dem bestehenden Krippengebäude (rechts) und der alten Schule in Suderburg könnte der Krippen-Neubau entstehen. Im Rat gab es dazu jetzt Streit zwischen Udo Depner und Götz Schimmack.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Suderburg – Die erste Halbzeit verlief durchweg fair, doch eine heftige Attacke in der Nachspielzeit ließ die Wogen höher schlagen und belastete die Atmosphäre zwischen den Mitspielern nachhaltig.

So lässt sich die Sitzung des Suderburger Gemeinderates vom Montagabend zusammenfassen. Dabei kam es zu einem politischen Eklat.

Rund 45 Minuten hatten die Kommunalpolitiker besonnen diskutiert, hauptsächlich über die künftige Krippenbetreuung in Suderburg, als Ratsherr Götz Schimmack plötzlich einen verbalen Angriff auf CDU-Fraktionschef Udo Depner startete. Dieser packte daraufhin kurzerhand seine Unterlagen zusammen und verließ in der 49. Minute der Ratssitzung empört den Saal. „Mit solchen Leuten setze ich mich nicht mehr an einen Tisch“, rief Depner in Richtung Schimmack, bevor er wutentbrannt die Tür hinter sich zuknallte und nicht mehr zurückkehrte.

Interessenskonflikt wegen der Ehefrau?

Was war geschehen? Während der Debatte über den geplanten Krippen-Neubau hatte Schimmack die Frage aufgeworfen, ob Depner überhaupt mitdiskutieren dürfe. Denn dessen Ehefrau gehört dem Vorstand des DRK-Kreisverbandes Uelzen an. Bekanntlich soll dieser die neue Krippe in Suderburg betreiben. Laut Gesetz sei das „ein klarer Fall für ein Mitwirkungsverbot, weil dadurch eine Interessenskollision besteht“, sagte Schimmack und beantragte eine Prüfung des Sachverhalts durch die Kommunalaufsicht.

Bürgermeisterin Dagmar Hillmer (CDU) startete einen Konter. „Warum führen Sie Herrn Depner so vor?“, fragte sie Schimmack. Ihr Fraktionskollege Lars Feuerhake war erbost: „Privatleben ist Privatleben. Was hat seine Frau mit der Sache zu tun?“. Und der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karsten Scherer schimpfte, Depner sei „rausgeekelt worden“.

Schimmack konnte die Aufregung nicht verstehen. Er habe Depner keine Vorwürfe gemacht, sondern lediglich angeregt, den Sachverhalt prüfen zu lassen, betonte er. Dann spielte er den Ball ins gegnerische Feld: Er selbst habe immer wieder „Anfeindungen und Gehässigkeiten“ durch andere Ratsmitglieder ertragen müssen, kritisierte Schimmack.

Verwundert über Depners Abgang vom Spielfeld zeigte sich Schimmacks Gruppenkollege Dierk Pellnath. „Es war lediglich eine Anfrage“, erklärte er. Wenn Depner sich nichts vorzuwerfen habe, werde die Sache geklärt und sei damit erledigt.

Vertrag mit dem DRK läuft bis 2025

Dabei ist die Frage, wer die beiden neuen Krippengruppen in Suderburg betreiben soll, ein alter Hut. Der entsprechende Vertrag mit dem DRK laufe noch bis 2025, teilte Fachbereichsleiter Reinald Müller mit. „Dann hat das überhaupt keine Auswirkungen. Herr Depner kann nichts dafür, das ist für mich hinfällig“, sagte Gisela Baum (WSL).

Christine Kohnke-Löbert (Grüne) rief dazu auf, trotz unterschiedlicher Meinungen sachlich zu diskutieren und gegenseitig Wertschätzung zu zeigen. „Ich möchte nie wieder in so eine Situation kommen“, betonte sie.

Der Rat nahm diese Steilvorlage auf. Und so verlief die zweite Halbzeit der Sitzung wesentlich harmonischer. Mit großer Mehrheit wurde die Verwaltung beauftragt, zu ermitteln, ob der Krippenneubau auf das Gelände am Gänsekamp passt, wenn die alte Schule dort erhalten bleibt. Zudem soll geprüft werden, ob ein Anbau an das bestehende Krippengebäude oder alternativ die Erstellung eines einzeln stehenden Neubaus möglich ist.

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